Als jüdisch-deutscher Sozialdemokrat und Rechtsanwalt musste Ernst Fraenkel 1939 in die USA emigrieren. Das Manuskript seines Hauptwerks "Der Doppelstaat" eine schonungslose Analyse des Nationalsozialismus und seines Rechtssystems reiste als Schmuggelware voraus. Im Exil, wo er mittellos dastand, wandte er sich stärker der Politikwissenschaft zu und wurde zu einem Verfechter der westlichen Demokratien. Nach dem Krieg ging er im US-amerikanischen Auftrag als Rechtsberater nach Korea, bevor er 1951 nach Deutschland zurückkehrte. Seine Studien zum amerikanischen Regierungssystem waren bahnbrechend. Er baute das Otto-Suhr-Institut an der FU Berlin auf und gründete 1963 das John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien. Er starb 1975. Ernst Fraenkel, so zeigt diese Biografie, war ein Mensch mit Charisma, der jede Form von Dogmatismus ablehnte, ein Freigeist, der das demokratische Denken in der Bundesrepublik entscheidend geprägt hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.07.2009
Der Jurist und Politikwissenschaftler Ernst Fraenkel erscheint dem Rezensenten heute so allgemeingültig wie zeitgemäß. Wie bei der Lektüre seiner Schriften entsteht dieser Eindruck für Tanjev Schultz auch beim Lesen der von Simone Ladwig-Winters verfassten Biografie. Dabei hat die Autorin, wie wir hören, gerade nicht auf den Effekt gesetzt, den das bewegte Leben Fraekels durchaus hergegeben hätte. Laut Schultz kein Nachteil für das Buch. Die chronologische, nüchterne, dabei stets respektvolle Herangehensweise der Autorin und ihr Hinweis auf die schwierige Quellenlage regen Schultz sogar dazu an, sich mit Fraenkels "Gesammelten Schriften" zu befassen.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…