Ulrich Zieger

Durchzug eines Regenbandes

Roman
Cover: Durchzug eines Regenbandes
S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main 2015
ISBN 9783100022677
Gebunden, 688 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Drei Märchen der Brüder Grimm verwandelt Ulrich Zieger in ein Gesellschaftspanorama des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Spione, Detektive, Mörder. Rudi Carrell, der Tiger von Eschnapur und andere vergessene Helden. Das ist Literatur für wilde Geister und wache Stunden. Bis ins Realistische surreale Geschichten von Engeln und Eigenbrötlern sind Ziegers Metier: in den achtziger Jahren spielte er in der freien Gruppe "Zinnober" im Prenzlauer Berg Anton Tschechow, schrieb Theaterstücke und Anfang der Neunziger das Drehbuch zu Wim Wenders' Film "In weiter Ferne so nah". Zehn Jahre hat Ulrich Zieger nun an diesem Prosawerk gearbeitet und einen monumentalen Roman geschaffen, der mitten in der Zeit steht, in die er nicht gehören will.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.12.2015

Oliver Jungen ist ein Seher. Er sieht zum Beispiel, dass dieser Roman von Ulrich Zieger seine Zeit noch vor sich hat. Gut, dass Jungen uns schon mal vorbereitet auf ein monumentales Buch mit gleich drei recht eigenständigen, zugleich motivisch und über ihr Personal miteinander verzahnten Teilen, in denen der Autor von Vorurteilen, Doppelgängern, Udo Jürgens, Einsamkeit, Hölle, Welt und Paradies erzählt. Ziegers barocke Fabulierkraft und sein Kompositionsvermögen hauen den Rezensenten schier um. Und auch wenn es ihm schließlich gelingt, im Text christliche Ikonografie nachzuweisen, das Hauptvergnügen besteht für ihn doch wohl im hingebungsvollen Mitfantasieren zwischen seltenen Worten und kulturgeschichtlichen Exkursen, wenn es im Buch um die Brüchigkeit des Vertrauens in die Menschlichkeit geht, um Verdacht und Zweifel, wie Jungen erläutert.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 14.03.2015

Zwischen Traum und Trash verortet Rainer Moritz Ulrich Ziegers neuen Roman. Leicht konsumierbar ist das nicht, warnt der Rezensent und versucht das als Herausforderung für den anspruchsvollen Leser zu deuten. Keine Frage für Moritz, der Autor zielt aufs ganz Große, Komplexe und durchaus Verwirrende. Formal gelingt das laut Moritz durch den weitgehenden Verzicht auf Chronologie und Kohärenz, inhaltlich dadurch, dass der Autor auf Plausibilität und thematische Wiedererkennungseffekte pfeift. Dass der Verlag diesem Verfahren mit einem oberflächlichen Lektorat antwortet, kann Moritz allerdings nicht verstehen. Und was springt dabei für den Leser heraus? Toll beobachtete und entworfene Szenen, Episoden und Interieurs, ein altmodischer Stil mit Genusspotenzial und ein Gesellschaftsroman der ganz und gar anderen, der verwirrenden Art, meint der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.03.2015

Ulrich Ziegers Roman "Durchzug eines Regenbandes" irritiert Helmut Böttiger ein wenig, der Autor scheint sich einfach keinen Deut um gegenwärtige Schreibkonventionen zu scheren und eher an ältere Traditionen anzuknüpfen, was der Rezensent eigentlich ganz sympathisch findet. "Funzeln aus dem Mittelalter" dürfen da neben Lichtern der Jahrhundertwende leuchten, ein mysteriöses französisches Dorf kommt genauso vor wie die DDR-Provinz, die drei Teile des Buches wirken, obwohl sie zu je unterschiedlichen Zeiten spielen, seltsam zeitlos, irgendwie allesamt "Retro-Schick", erklärt Böttiger, und gerade den letzten und spätesten Abschnitt, der mitten in den Popkult der Neunziger führt, nutzt Zieger für ein "raunendes Beschwören des Imperfekts", wundert sich der Rezensent.

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