Mit 5 Abbildungen. Welches Potential bietet ein musikalisches Werk für die schöpferische Auseinandersetzung des Rezipienten? Das Bild eines nachschaffenden Hörers, das Robert Schumann mit Blick auf den Vermittlungszusammenhang von Kunst in seinen musikschriftstellerischen Arbeiten entwirft, findet seine Entsprechung in Schumanns eigenem musikalischen Schaffen: Er geht davon aus, dass der Komponist mit Hilfe einer appellativen künstlerischen Struktur den Hörer nachschaffen lässt und dies auf der Ebene der erklingenden Musik ebenso wie auf der der Notation. So zielen die vorliegenden Studien sowohl auf spezifische Notationsgewohnheiten (etwa schriftsprachliche Zusätze, sprachlich-musikalische Intertextualität oder Titelgebung) als auch auf kompositorische Strukturen seiner Musik (etwa kompositorische Brüche, die Schichtung von Zeithorizonten, der Dualismus von System und Systemlosigkeit oder das Spannungsfeld von Wiederholung und Variante).
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2001
Die Lager der Musikwissenschaftler teilt Gustav Falke in zwei Parteien: Die "Formhuber" untersuchen die "Form der tönenden Bewegung", also der Musik, die "Sinnhuber" widmen sich der Aussage des Komponisten, die sie zum Beispiel auch in dessen Briefen zu finden hoffen. "Form" und "Sinn" versuche auch die Autorin der bei Martin Geck entstandenen Dissertation zusammenzuführen. Falke beschreibt, wie sie dazu über die Begriffe der "zurückspiegelnden Phantasie" und des "nachschaffenden Hörers" referiert, die Zusammengehörigkeit von "Notenbild" und "sprachlichen Zusätzen" in Schumanns Werk nachweißt und dessen "unsicherheitserzeugendes Kompositionsverfahren" untersucht. In Falkes Ohren klingt das alles "nicht unsympathisch", er sieht in den Ausführungen jedoch einen Denkfehler, der die Synthese des "theoretischen Dualismus" verhindert: Die Autorin schreibe der "zurückspiegelnden Phantasie" ein "objektives Kriterium" zu, das nach Meinung des Rezensenten nicht existiert.
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