Gemeinschaftsausgabe mit dem Bärenreiter-Verlag, Kassel. Literatur und Malerei haben ihre Realismus-Epoche. Was sagt die Musik dazu - die weltabgewandteste aller Künste? Martin Geck weist dem Realismus einzelne bedeutende Werke zu, zeichnet aber vor allem den politisch-ästhetischen Diskurs nach, in dem sich die Musik zwischen den polaren Vorwürfen der Selbstverliebtheit und der Politiksüchtigkeit glänzend behauptet. Eine zentrale Gestalt des Buches ist Richard Wagner. Geck untersucht aber auch die Ränder des musikalischen Realismus-Diskurses der Zeit: Herrschte anfangs die revolutionäre Aufbruchsstimmung der Jahre 1848/49 mit Schumanns "republikanischen Märschen" und Lortzings Revolutionsoper "Regina", so steht am Ende die Gründerzeit und in ihr Brahms als melancholischer Abwickler realistischer Euphorie.
Recht skeptisch äußert sich Volker Hagedorn über die Realismus-These in Martin Gecks Versuch, die Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts politisch zu sehen. Hagedorm liest das Buch vor dem Hintergrund der Thesen des großen Musikwissenschaftlers Carl Dahlhaus, der der Musik des 19. Jahrhunderts realistische Tendenzen gerade abstritt. Für Dahlhaus wurde die Musik aus der Politik herausgehalten. Nach Hagedorn versucht sich Geck nun im Gegenbeweis und versucht zumal bei Richard Wagner und Robert Schumann eine Beeinflussung durch den literarischen Realismus, und das heißt wohl auch politisch linker Tendenzen nachzuweisen. Aber er greift zu kurz, meint der Rezensent, der sich durch Geck an die Versuche der DDR-Musikwissenschaft, "Bach zum Aufklärer umzubauen", erinnert fühlt. Glaubt man Hagedorn, der das Buch trotz allem mit einiger Anregung gelesen zu haben scheint, so übersieht Geck über seiner angestrengten Politisierung der Musikgeschichte die tatsächliche "Verstörung" der Musik durch die aufkommende Moderne.
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