In politikwissenschaftlichen Studien erscheinen Diplomaten häufig als Elemente in einem übergeordneten System zwischenstaatlicher Beziehungen. Der vorliegende Band betrachtet sie hingegen als eigenständige Akteure und stellt ihren konkreten Berufs- und Lebensalltag ins Zentrum einer ethnographischen Studie. In diesem Rahmen widmet er sich insbesondere der spezifischen Form internationaler Mobilität, die den diplomatischen Alltag prägt, und analysiert diese als eine Sonderform transnationaler Migration. Durch dichte Beschreibungen und lebendige theoretische Reflexionen bietet die Studie einen fundierten Einblick in diplomatische Lebenswelten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2005
Ulrike Niedner-Kalthoff untersucht als Ethnologin den Berufsstand der Diplomaten, indem sie sie zu ihrem Leben befragt, konstatiert Gerd Roellecke. Mit "offenen Interviews", bei denen die Themen nicht vorgegeben sind, lässt die Autorin vor allem die Diplomaten selbst zu Wort kommen, bemerkt der Rezensent, den die Methodik nicht recht überzeugt. Durch ihre Zugangsweise finde "Kritik kaum Ansatzpunkte", der Leser erfahre naturgemäß nur das, was die Diplomaten der Öffentlichkeit eben preisgeben wollen, stellt Roellecke etwas enttäuscht fest. Über das diplomatische Arbeiten dagegen bekommt man kaum mehr Informationen als in einem gängigen Rhetorikratgeber, indem den Diplomatie vor allem als die "Kunst" den "Mund zu halten" apostrophiert wird, so der Rezensent unzufrieden. Die Diplomatie lässt sich aus dieser Innenschau heraus nicht wirklich Gewinn bringend mit dem Blick der Ethnografie betrachten, meint der Rezensent, denn es handelt sich eben nicht um "fremde", sondern um "einen Teil unserer eigenen Kultur".
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