Sag mir, was ich bin
Roman

Steidl Verlag, Göttingen 2024
ISBN
9783969994030
Gebunden, 304 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Tanja Handels. Deena Garvey ist spurlos verschwunden. Für ihre Schwester Nessa bricht eine Welt zusammen, denn Deenas Ex-Freund Lucas, den sie für Deenas Mörder hält, untersagt ihr nicht nur den Kontakt zu ihrer kleinen Nichte, sondern nimmt Ruby auch noch mit nach Vermont. Dort, in der ländlichen Abgeschiedenheit der Inseln im Lake Champlain, lernt Ruby, wie man jagt und fischt, das Land bestellt und sich um Hühner kümmert. Sie lernt, was ihren Vater stolz und was ihn wütend macht. An ihre frühe Kindheit in Philadelphia erinnert sie sich nicht mehr. Bis ihr eines Tages ein Foto ihrer Mutter in die Hände fällt, eine Botschaft ihrer Tante, die seit Jahren alles daransetzt, Lucas zur Verantwortung zu ziehen und ihre Nichte zu beschützen. Ein Schatz, der vor Lucas verborgen werden muss und der sie dazu bringt, die Geschichten ihres Vaters in Frage zu stellen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2024
Verstört und bereichert zugleich geht Rezensent Rüdiger Görne aus der Lektüre von Una Mannions Roman über die Suche nach einer verschollenen Frau hervor, die von ihrer Schwester und ihrer Tochter gesucht wird. Seine Besprechung ist ähnlich anspielungsreich wie das Buch, das nicht nur Shakespeares "Tempest" aufruft, sondern auch Kafkas "Der Verschollene", denn auch die Tochter soll von ihrem gewalttätigen Vater, der, wie sich herausstellt, auch die Frau getötet hat, zum Verschwinden gebracht werden. Die rasche Verschaltung der verschiedenen Erzähl- und Zeitebenen spiegelt für Görne wider, wie sich Zusammenhänge klären und wieder verschwimmen. Das ist kraftvoll und überzeugend erzählt, lobt der Kritiker, der sich auch eine Verfilmung gut vorstellen kann.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 27.11.2024
Eine "brilliant konstruierte" Geschichte über eine toxische Familienkonstellation legt Una Mannion vor, freut sich Rezensentin Sonja Hartl. Es geht um Deena, die eines Tages spurlos verschwindet und ihre Schwester sowie Tochter Ruby zurücklässt. Ruby, aus deren Perspektive der Krimi einerseits erzählt, zweifelt mit der Zeit die Geschichten an, die ihr manipulativer Vater über ihre verschwundene Mutter erzählt. Der andere Handlungsstrang widmet sich der Schwester Nessa, deren episodenhafte Erinnerungen langsam das Bild einer toxischen Beziehung zwischen Lucas und Deena entstehen lassen - Nessa ist sich sicher, dass Deena von ihrem Ex-Mann ermordet wurde. Ein spannender, psychologisch dichter Thriller ist das, der auch die Unzuverlässigkeit von Erinnerungen thematisiert, schließt die angetane Kritikerin.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.11.2024
Rezensentin Sylvia Staude ist am Ende überrascht, wenn die Geschichte um ein Mädchen in Vermont, Mai 2018, die Una Mannion so behutsam erzählt, doch noch Fahrt auf nimmt in Richtung eines Krimis. Zunächst nämlich ist da nur das Mädchen Ruby mit dem etwas kontrollmäßig auftretenden Vater. Langsam und geduldig entwickelt die Autorin laut Staude die Geschichte, bis sichtbar wird, dass es hier auch um das Verschwinden der Mutter geht, um Behörden und Anwälte, um Manipulation und rätselhafte Nachrichten, die Ruby nicht erhalten soll. Was mit der Mutter geschehen ist, ob sie freiwilig verschwand oder ihr etwas zugestoßen ist, das ist die Frage in diesem für Staude lesenswerten Roman.