Samuel Cass verschwand, an seinem zwölften Geburtstag. Samuels Halbschwester Theodora saß auf ihrem Bett und betrachtete das schöne, schwarz gerahmte Foto von Samuel im Bücherregal. "Oh, Samuel, wach doch auf", flüsterte sie dem Bild zu, "wach auf und komm nach Hause." Aber die Stunden vergingen, und nichts geschah. Keine Sichtung, kein Anruf, kein abgerissener Schnürsenkel. Nichts. Eine Geschichte über viele Worte, falsche Deutungen und die Allgegenwart des Todes.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.08.2013
Seit Ursula Dubosarskys bahnbrechendem Roman "Nicht jetzt, niemals" aus dem Jahre 2012 weiß Rezensent Tilman Spreckelsen: Wer diese Autorin übergeht, verpasst ein "schillerndes Werk voller Abgründe". Das gilt auch für ihren 1995 erschienenen, jetzt ins Deutsche übertragenen Roman "Der kürzeste Tag des Jahres", der allerdings laut Spreckelsen den inhaltlichen und formalen Maßstäben seiner Nachfolger noch nicht ganz gerecht werden kann. Der Kritiker liest hier die Geschichte einer eigensinnigen Patchworkfamilie, in der nach dem plötzlichen Verschwinden des zwölfjährigen Samuel immer weitere Familiengeheimnisse auf den Tisch kommen, die bereits seit Samuels Geburt das Familienleben vergiftet haben. Spreckelsen erfährt etwa, dass Samuel eine gleichaltrige Halbschwester hat, die Samuels Vater, ein liebevoller und naiver Opernsänger, mit seiner Ex-Frau zeugte. Nicht nur das atmosphärisch dicht gewebte Netz aus familiären Abgründen, sondern auch Dubosarskys zahlreiche Bibel-Verweise machen diesen Roman zu einem spannenden Leseereignis, lobt der Rezensent.
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