Vertrauen ist ein Thema der Zeit - aber ist es auch eines in der Geschichte? Heute reden alle von Vertrauen: Politiker vor allem, aber auch Marketingexperten, Anlageberater, selbst die katholische Kirche. Ist das neu, oder hatten schon frühere Generationen ein Vertrauensproblem? Wann wurde über Vertrauen gesprochen und von wem? In welchen Zusammenhängen tauchte Vertrauen auf, welche Aufgaben wurden ihm zugeschrieben, welche Gefährdungen konstatiert? Waren frühere Gesellschaften "vertrauensgesättigter" als heutige, in denen Vertrauen als sozialmoralische Ressource immer knapper zu werden scheint? Das Buch nähert sich diesen Fragen in Form historischer Fallstudien. Sie beleuchten spezifische Konstellationen und Momente, in denen Vertrauen sichtbar wurde: in Luthers Bibelübersetzung ebenso wie in Briefwechseln der Frühen Neuzeit oder in pädagogischen Ratgebern des 19. Jahrhunderts.
Äußerst zwiespältig findet Rezensent Dorion Weickmann die Studie zu einem Forschungsprojekt über "das historische Feld des Vertrauens", herausgegeben von Ute Frevert. Die beteiligten Wissenschaftler, die sich dem Sujet Vertrauen aus verschiedenen historischen und modernen Perspektiven näherten, würden "sich vielfach an Erklärungsmustern abarbeiten". "Der Vertrauensbegriff" selbst aber "bliebe seltsam vage", bedauert der Rezensent. Die Aufsatzsammlung wäre voller Widersprüche. Gerade aufgestellte Thesen würden an späterer Stelle wieder zunichte gemacht. Einen Lichtblick im Dunkel sieht der Rezensent in der "durchdachten Argumentationsweise" einer Abhandlung von Anne Schmidt zum Niedergang des deutschen Kaiserreiches und der damit verbundenen Vertrauenskrise zwischen Staat und Volk. Warum die Herausgeberin Frevert, der er "Wagemut, Vielseitigkeit und erzählerische Eleganz" in ihrem Schreiben bescheinigt, "das Projekt nicht gestrafft und zugespitzt habe" ist für den Rezensenten "schleierhaft", und er bemerkt abschließend: "Wer alles in einen Topf wirft, kommt nicht unbedingt zu meisterhaften Ergebnissen".
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