Paula Thiede wurde als Pauline Berlin am 6. Januar 1870 in Berlin geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie rund um den heutigen Mehringplatz in Kreuzberg, am südlichen Rand des Zeitungsviertels. Sie kam aus proletarischen Verhältnissen, stand früh auf eigenen Beinen und wurde "Anlegerin" an Buchdruckschnellpressen. Mit 19 heiratete sie, mit 21 war sie Witwe und hatte eines ihrer beiden Kinder unter dramatischen Umständen verloren. Sie kämpfte sich zurück ins Leben und trat dem "Verein der Arbeiterinnen an Buchdruck-Schnellpressen" (siehe Kasten) bei. Sie heiratete erneut und versuchte trotz aller Schwierigkeiten, dem sozialen Elend des Kaiserreichs mit kämpferischer Gewerkschaftsarbeit zu begegnen. Von 1898 bis zu ihrem Tod im Jahre 1919 war sie Vorsitzende des "Verbandes der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands". Damit war sie, soweit bekannt, weltweit die erste Frau an der Spitze einer gemischtgeschlechtlichen Gewerkschaft.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.11.2019
Rezensentin Susan Vahabzadeh findet es lobenswert, dass Uwe Fuhrmann sich der Biografie der Gewerkschaftlerin Paula Thiede angenommen hat, denn weder die Situation der Arbeiterinnen während der industriellen Revolution noch weibliche Trägerinnen der Arbeiterbewegung sind gut erforscht, wie sie weiß. Dennoch hat Fuhrmann mühsam etliche gesicherte Angaben über das Leben der Berlinerin zusammengetragen, die 1898 zur ersten Vorsitzenden des "Verbandes der Buch- und Steindruckerei-Hilfsarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands" wurde, staunt die Kritikerin. Ihr zufolge verschweigt der Autor aber auch nicht, wo er nur Vermutungen anstellen kann, etwa bei dem Verhältnis Thiedes zu ihren Ehemännern - allerdings seien auch die Vermutungen bestens fundiert, lobt die beeindruckte Rezensentin.
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