Nach 1945 vollzog sich innerhalb der westdeutschen Arbeiterbewegung eine ideelle Neuorientierung, die im größeren Zusammenhang der Westintegration der Bundesrepublik in den 1950er und 1960er Jahren zu sehen ist. SPD und DGB nahmen westlich-liberale Politikkonzepte auf und verbanden sie mit eigenen Traditionen. Die Mechanismen, Protagonisten und Motive dieses Wandels werden dargestellt, wobei die Beziehungen zur amerikanischen Gewerkschaftsbewegung im Vordergrund stehen. Ausgehend von den Unterschieden im politischen Denken der deutschen und der amerikanischen Organisationen wird deren Zusammenarbeit von Mitte der 1940er bis Mitte der 1960er Jahre verfolgt. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie westliche Vorstellungen von einer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung verbreitet wurden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.04.2004
Rezensent Werner Abelshauser hat sein Lob für diese "solide, fußnotengesättigte Forschungsarbeit" von Julia Angster mit einer erheblichen Einschränkung versehen: nur wer ihre Untersuchung "unbefangen" lese, finde hier tatsächlich Antworten auf die Frage, welchen Einflüssen es zu verdanken ist, dass die Sozialdemokratie 1959 und der Deutsche Gewerkschaftsbund 1963 in ihren Programmen endgültig ihren Frieden mit dem Kapitalismus machten. Die Autorin untersucht den Einfluss eines transnationalen Netzwerkes von Personen und Ideen, das länderübergreifend und langfristig gemeinsame Ziele verfolgte, die schließlich in jenen Programmen ihren Niederschlag fanden. Eine wichtige Rolle spielte dabei die amerikanische Gewerkschaftsbewegung AFL-CIO. Nur hätten diese Ergebnisse, findet der Rezensent, eben "eine subtilere Interpretation" verdient; während die Autorin sich auf ihren "theoretischen Stelzen" recht "ungelenk" auf ihr Ziel zu bewege. Vor allem ihr Begriff der "Westernisierung" der Arbeiterbewegung ergibt für Abelshauser wenig Sinn: "Wenn jemand über lebendige Traditionen des 'Konsenskapitalismus' verfügte, dann war es der Mainstream der deutschen Arbeiterbewegung."
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