Gibt es ein leichtes Sprechen, das nicht leichtfertig ist? Ein Sprechen, das Eifer und Zorn hinter sich lässt, ohne deshalb bequem zu werden? Ein Sprechen, das zu dem Überall von Information und Meinung ruhigere Seitenstücke bildet, Worte findet, mit denen Lebensfragen zu formulieren sind? Ein Wanderer nimmt in Uwe Kolbes neuen Gedichten die Natur und den Himmel in sein Lied herein. Wie schon in seinen erfolgreichen "Psalmen" sind vor allem die gefiederten Begleiter allgegenwärtig: die Krähen und ihr Krakeel, die Amsel, ihr klagender Ton, der Bussard in seiner Höhe. Literarische Konvention verbindet sich dabei mit dem Wissen um das fragile Gleichgewicht des Planeten. Fragil aber ist auch der Alltag von Ich und Du. Immer dann, wenn Uwe Kolbes Gedichte sich diesem Alltag nähern, werden sie dramatisch, und seine Verse müssen sich kraftvoll beim eigenen Zopf nehmen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.03.2020
Rezensent Harald Hartung kennt Uwe Kolbe nicht eben als Avantgardist. Produktiv und mit Wissen um die Ewigkeit ausgestattet ist Kolbe aber schon, weiß Hartung. Kolbes neue Gedichte stemmen sich laut Rezensent einerseits mit romantischen Symbolen und hohem Ton gegen die Gegenwart, tun das andererseits aber durchaus auch mit ironischem Unterton. Dass die Texte immer wieder das bloß Traditionelle hinter sich lassen, etwa wenn sie Vergil ganz nah aufnehmen, und mit Leichtigkeit poetische Tiefe erzeugen, macht sie für Hartung lesenswert.
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