Herausgegeben von Dietrich Simon. Was diese politische Lyrik mit den privaten Gedichten verbindet, ist Hochhuths Poetik der Erinnerung. Mit welcher Beharrlichkeit Hochhuth immer wieder gegen Indifferenz und Vergessen anschreibt, zeigt insbesondere das Titelgedicht des Bandes: Es erinnert an Franz Kafkas Schwestern, die mit ihren Familien nach dem Einmarsch der Deutschen in Prag von den Nazis ermordet wurden. Wie kein anderer Lyriker blickt Hochhuth skeptisch und zugleich voller Mitleid für die Opfer der Geschichte auf die Katastrophen der Vergangenheit und Mißstände der Gegenwart und kann dabei doch nicht von der Hoffnung lassen, dass Aufklärung durch Poesie möglich ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2006
Ohne sichtliche Begeisterung, aber durchaus wohlwollend hat Harald Hartung diesen Band mit Gedichten Rolf Hochhuths gelesen, der sich als Lyriker bislang eher im Verborgenen hielt. Bei den von Dietrich Simon ausgewählten hundert Gedichten, die vor allem um die Themen Geschichte und Frauen kreisen, macht Hartung einen starken Einfluss von Gottfried Benn aus. Mit den erotischen Gedichten kann er nicht besonders viel anfangen. Ihm fällt nur auf, dass Hochhuth auch hier immer wieder der Moralist dazwischen kommt. Dagegen sieht er den Autor bei historischen Themen in seinem Element. Wie in seinen Stücken spricht für Hartung aus den Gedichten ein "geradliniges, oft auch einseitiges Engagement". So beschreibt er Hochhuth auch als "Dokumentar-Lyriker", der als "unerbittlicher Moralist" agiere. Bisweilen wirken die Gedichte über Mobbing, Intendantenaffären oder Spitzenverdiener auf ihn allerdings reichlich plakativ. Am Ende versöhnlich resümiert er aber: "Zum Glück ist der Autor Hochhuth, auch als Gedichteschreiber, mehr als die Summe der Gelegenheiten, die er liebt oder hasst."
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