Vera Broido

Tochter der Revolution

Erinnerungen
Cover: Tochter der Revolution
Edition Nautilus, Hamburg 2004
ISBN 9783894014438
Gebunden, 192 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Jürgen Schneider. Ihre Eltern heirateten in einem Gefängnis auf dem Weg in die Verbannung nach Sibirien, mit zehn Gefangenen als Trauzeugen. Als aktive Revolutionäre brachten sie ihre vier Kinder bei Freunden und Genossen unter, wenn sie in Sachen Agitation und Propaganda unterwegs waren. Vera Broidos Erinnerungen an das Leben im Exil zur Zarenzeit sind Erinnerungen an ein Paradies vor dem Sündenfall: Als die Familie 1914 zum zweiten Mal in die Verbannung geschickt wird, reisen sie - Vera ist 7 Jahre alt - in der komfortablen Transsibirischen Eisenbahn in eine Idylle. Lebensmittelknappheit ist unbekannt, während die Mutter Keynes übersetzt, kochen die Kinder Marmelade.
1917 kehrt die Familie nach Sankt Petersburg zurück: Broido beschreibt den euphorischen Frühling der Revolution, voller Hoffnungen, und zehn Monate später das Schlangestehen vor geschlossenen Geschäften mit den Lebensmittelmarken in der Hand. 1920 fliehen die Broidos nach Berlin und leben dort in jüdischen Exilkreisen. 1925 geht Vera nach Paris an die Sorbonne. Wichtiger als das Studium sind jedoch andere Lektionen: sie lernt das Malen bei der Konstruktivistin Alexandra Exter, das Charlestontanzen bei Stanislawskis Sohn und beginnt, als sie nach Berlin zurückkehrt, eine siebenjährige Menage-a-trois mit dem Dadaisten Raoul Hausmann und seiner Frau. Sie wird das Modell seiner berühmten Serie von Aktfotos.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.10.2004

Höchstes Lob vonseiten der Rezensentin Mascha Jacobs ernten die Memoiren von Vera Broido, der Tochter zweier russischer Revolutionäre, die später zu Dissidenten wurden. Es sei erstaunlich, mit welch jugendlichem, unverstelltem Blick Broido eine mittlerweile siebzig Jahre zurückliegende Vergangenheit bis in die dreißiger Jahre zurück zu schildern wisse. Und was dieser Blick zutage fördert, so die Rezensentin, ist "eine grandiose Melange aus Lebenserinnerung, Reportage und politischer Geschichte" und ein "kulturgeschichtliches Zeugnis". Gefallen hat der Rezensentin vor allem Broidos "Mischung aus Stolz und Nüchternheit, aus Diskretion und Überschwang", die sich daraus ergibt, dass die Autorin keinerlei "Revolutionsromantik" pflegt, sich aber auch nicht von den revolutionären Zielen ihrer Eltern achselzuckend abwendet. Ein "schönes Buch" also, aus der Mitte der Ereignisse, wenn auch siebzig Jahre später erzählt.

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