Aus dem Französischen von Ulrich Kunzmann. Was ist das Wesen der Nostalgie? Und wodurch entsteht sie? Das sind die Fragen, die Vladimir Jankélévitch in seinem großen Spätwerk beschäftigen, das hier erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt. Nostalgie, so sagt er, wird wesentlich durch die Unumkehrbarkeit der Zeit hervorgerufen. Denn die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Und es ist unsere Ohnmacht angesichts dieser Unmöglichkeit, die die Bitterkeit der Nostalgie ausmacht. Unmöglich, wieder zu der Person zu werden, die man einmal war. Jankélévitch zeigt, dass es für das Unumkehrbare nur eine einzige Lösung gibt: die freudige Zustimmung des Menschen zur Zukunft.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.01.2026
Rezensent Marko Martin schätzt einmal mehr die Klugheit des französischen Philosophen Vladimir Jankélévitch. In diesem im französischen Original im Jahr 1974 erschienenen Buch über Nostalgie hält sich der Philosoph nicht lange mit historischen Fragen auf, auch als Lebensratgeber in Sachen Nostalgie taugt das Buch nicht, versichert der Kritiker. Stattdessen geht es um die Frage der Zeitlichkeit an sich und darum, was es bedeutet, dass alles Erlebte Zeit schon im Moment des Erlebens zur Vergangenheit wird. Die Unumkehrbarkeit von Zeit ist also das zentrale Thema des Buches, ebenso wie die verschiedenen Versuche, damit umzugehen: die Kunst, die Religion, auch die Liebe haben laut Jankélévitch etwas mit eben dieser Zeitstruktur menschlicher Erfahrung zu tun. Martin scheint das alles einzuleuchten.
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