Aus dem Serbischen von Patrik Alac. Ein Roman über einen Tag im Leben eines serbisch-kanadischen Wissenschaftlers: An einem klirrenden Wintertag, der damit beginnt, daß per Post die Asche seines seit zwölf Jahren verschollenen Bruders eintrifft, gerät der Erzähler in einen Strudel der Erinnerungen an die gemeinsame Kindheit in Novi Sad, an eine Jugend zwischen Punkrock, Ping pong und dem sich abzeichnenden Postjugoslawien.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.11.2007
Rezensentin Laura Weissmüller zeigt sich recht angetan von Vladimir Tasic' Roman, in dem sich ihren Informationen zufolge ein serbischer Wissenschaftler an seinen Bruder und die mit ihm verbrachte Zeit erinnert. Dieser war ein von Universität zu Universität tingelnder Wissenschaftler mit Hang zu kuriosen Wissensspielen. Irgendwann verschwindet der Bruder spurlos, der Ich-Erzähler verlässt Novi-Sad und landet schließlich in Kanada. Die Geschichte um den Bruder bilde den Kern des Romans, schreibt die Rezensentin, gleichzeitig flechte der in Jugoslawien geborene, in Kanada Mathematik lehrende Autor aber auch eine mitunter schablonenartige, aber dennoch "erhellende" Einwandererperspektive ein. Ihr gefällt, wie Tasic es versteht, das Gewohnte absurd aussehen zu lassen und in "wundersam enthobene Vergleiche" zu verpacken. Dass er dem Leser dabei mitunter einiges an Geduld abverlangt, während er ihn von Anekdote zu Anekdote führt, kann sie ihm verzeihen, denn für sie ist der Roman eine sehr "kluge Verbeugung vor dem Leben, dieser surrealistischen Schatzkiste."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.05.2007
Hingerissen ist Andreas Breitenstein von Vladimir Tasics Debütroman aus dem Jahr 2001, der nun endlich in deutscher Übersetzung vorliegt. Er liest das Werk des in Kanada als Mathematikprofessor lebenden Autors als einen "Abgesang auf Jugoslawien". Im Mittelpunkt des Romans sieht er einen technischen Berater, der an medizinischer Software arbeitet und mit seiner Frau recht zufrieden in Kanada lebt, bis ihn die Nachricht vom Tod seines Bruders erreicht und damit eine Flut der Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend in Jugoslawien auslöst. Die Erinnerungen des Erzählers beschreiben für Breitenstein eine "Achterbahnfahrt durch die Imperien des pubertierenden Intellekts" und beschwören zugleich das Jugoslawien der siebziger und achtziger Jahre. Wie Tasic das alles beschreibt, hat Breitenstein begeistert. Er lobt die subtile und komplexe Komposition des Romans, seine Ironie und Klugheit, und seine "virtuose Melancholie".
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