Im Blick so unterschiedlicher Disziplinen, wie der Mentalitäts-, Literatur- und Kunstgeschichte, der Kolonialhistorie, wie der Forschung zur interkulturellen Rezeption Japans, der Sozialreformgeschichte und der vergleichenden Rechtskasuistik, erscheint der Garten als höchste variable Resultante sozial und ideologisch bestimmter Begegnung zwischen Natur und Mensch. Diverse Selektionsimpulse zeigen dabei zwischen Antike, mittelalterlichem Europa, feudalem Repräsentationskult in Japan wie im Barock, aber auch in dessen Überwindung in der Spätaufklärung bis zum Schreber- und Hotelgarten, wie Gartenkultur beiträgt zur anthropologischen Symbolik - auch in Gedicht und Roman. Ihre Beziehungs- und Blickperspektiven trugen dem Kolonialismus des 19. Jahrhunderts die Selbstillusion ein, kolonisierte Regionen als Domestikationsräume für "die Wilden" zu verstehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.12.2002
Was als Sozialgeschichte des Gartens angekündigt war, entpuppt sich für den Rezensenten Stefan Rebenich als "bunter Strauß", der nur bei großzügiger Auslegung etwas mit Garten zu tun habe: "Hier wird Handbuchwissen ausgebreitet, dort der politische Diskurs gepflegt; der eine kultiviert seine literaturwissenschaftlichen Vorlieben, der andere ignoriert die Themenstellung des Kolloquiums souverän." So berichte etwa ein Beitrag von einem Fall, bei dem ein Einbrecher auf der Flucht durch einen nicht eingezäunten Privatgarten rennt, kopfüber in den dortigen Weiher stürzt und ertrinkt. Pikant wird aber erst das Nachspiel, denn das nordamerikanische Justizsystem erlaubt es den Eltern des verunglückten Einbrechers die Besitzer des uneingezäunten Weihers auf Schadenersatz zu verklagen. Andere Artikel widmen sich der Gartenkunst, deuten die Gärten in den Werken von Rousseau und Goethe oder untersuchen das koloniale Gartenmodell. Der Rezensent hat sich zum Schluss mit dem Sammelsurium an Texten versöhnt: "Wer bei der Lektüre ausharrt, wird mit manchen schönen Früchten belohnt."
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