Ein extremes Leben hatten alle ihre Eltern bereits hinter sich: als Kämpfer bei den Internationalen Brigaden in Spanien, in der Résistance und in den Armeen der Alliierten, als Überlebende in einem KZ oder in Sibirien. Andere standen auf Schindlers Liste. Sie waren jüdisch oder kommunistisch oder beides. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Welt eine andere, das stand für sie fest, als sie in Wien neu anfingen. Ihre Kinder gingen vom Rand der Gesellschaft in ihre Mitte. Viele zählen heute zur kulturellen und politischen Avantgarde. Die Historikerin Helene Maimann ist eine von ihnen. Sie erzählt von ihrer Prägung, aber auch von den Konfrontationen mit der Welt der Eltern, sie erzählt von Hoffnungen und vom Scheitern und von den Freunden Elizabeth T. Spira, Robert Schindel, André Glucksmann u.a.
Mit Gewinn liest Rezensent Robert Misik Helene Maimanns Geschichte der kommunistischen Wiener Juden und ihrer Nachkommen, die interessante Linien vom Dritten Reich bis heute zeigt. Dafür begibt sie sich tief in das Milieu, aus dem auch sie selbst stammt, als Kind zweier exilierter Stalinisten, die nach Wien zurückkehren und sich ihren Wohlstand mühsam aufbauen, erzählt Misik. Andere organisierten das Ölgeschäft der Kommunisten von London aus, fälschten Pässe in Budapest, leisteten Widerstand in der Resistance oder spionierten nach dem Krieg mit den Cambridge Five. Viele, wenn auch nicht alle, wechselten später zu einem sanfteren Eurokommunismus. Ihre Kinder begannen in den 60ern ihre eigenen Widerstandsbewegungen zu bilden. Nebenbei lernt der Kritiker so auch noch eine Menge über die Nachkriegsgeneration und ihre Aufbruchstimmung ab den sechziger Jahren, aber auch über den nie ganz gelöschten Schwelbrand des Faschismus in Österreich.
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