Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2000
In einer Doppelrezension bespricht Viktor Meier zwei Bücher, die sich mit der Geschichte des Balkans beschäftigen.
1) Walter Markov: "Grundzüge der Balkandiplomatie" (Leipziger Universitätsverlag)
Meier nutzt die Gelegenheit, den verstorbenen Leipziger Professor Walter Markov einzuführen, der ein rechter Querkopf gewesen sein muß. Markov, 1909 in Graz geboren, war der Sohn einer Wienerin und eines Slowenen. Er wuchs im ehemaligen Jugoslawien auf und besaß neben der deutschen auch die jugoslawische Staatsbürgerschaft. 1934 erklärte er sich in Bonn laut zum "Antifaschisten" und Kommunisten, was ihm prompt zehn Jahre Gefängnis einbrachte. Nach dem Krieg konnte er sich in Leipzig etablieren, aber schon 1951 wurde er u.a. wegen seiner "recht unabhängigen Denkweise" wie Meier erklärt, aus der SED ausgeschlossen. Der vorliegende Band ist seine Habilitationsschrift, die in der DDR nicht veröffentlicht werden durfte. Meier würdigt die Arbeit als "großen Wurf" und lobt die Objektivität Markovs, der nicht nur den `Imperialismus`, sondern auch die "Eigendynamik" der Balkanstaaten am Werk sehe. Nur bei der Darstellung der neueren Geschichte komme Markov immer wieder der "marxistische Standpunkt in die Quere".
2) Rainer Mennel: "Der Balkan" (Biblio Verlag)
Ein gnadenloser Verriss! Meier kann schon mit der Grundidee des Buchs nichts anfangen: Mennel nämlich versucht, den Balkan mit geopolitischen Gründen zu erklären. Doch das erklärt in Meiers Augen gar nichts, denn die heutigen Konflikte auf dem Balkan hätten ethnische und nicht geopolitische Gründe. Einen Großteil des Buchs widmet Mennel der deutschen Besatzung des Balkans während des Zweiten Weltkrieges. Meier nimmt es äußerst übel, dass Mennel dabei keinen der deutschen Generäle kritisiert, die Hitlers "Halte-Befehl" buchstabengetreu ausführten, mit dem Ergebnis, dass "zehntausende von Deutschen" ihr Leben verloren. Im Gegenteil: Das Buch töne streckenweise "wie ein mächtiger Ruf nach der Kavallerie, da das Gelände für anderes doch zu schwierig scheint".
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