Werner von Koppenfels (Hg.)

Aus den Kerkern Europas

Poetische Kassiber von Villon bis Pound
Cover: Aus den Kerkern Europas
C.H. Beck Verlag, München 2014
ISBN 9783406668005
Gebunden, 135 Seiten, 14,95 EUR

Klappentext

In von äußerster Existenznot geprägten Texten legen berühmte Dichter Zeugnis ab von den Übergriffen der Macht und der Freiheit des Geistes. Die Reihe reicht von den alten Opfern der Könige und Ketzerverfolger bis zu den Insassen der Schandlager des 20. Jahrhunderts. Das Entscheidende ist das Kassiber-Wunder, die Fähigkeit von Versen, Mauern zu durchdringen, um die Außen- und Nachwelt zu erreichen: Der deutsche Freund, der Campanellas Gedichte aus dem Neapolitaner Kerker in eine Frankfurter Druckerei schmuggelte, Nadeschda Mandelstam, die die Verse ihres Mannes im Gedächtnis aufbewahrte, die Kladde mit den Moabiter Sonetten in der Tasche des ermordeten Haushofer. François Villon führt, an der Schwelle zur Neuzeit, mit seiner unüberbietbaren Mischung aus Frömmigkeit und schwarzem Galgenhumor diese Anthologie ein. Es folgen, in bunter Reihe, Freigeister, Aristokraten, Glaubensstreiter im Zeichen geistlicher und weltlicher Machtkämpfe.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.03.2015

Die von Werner von Koppenfels herausgegebenen und übersetzten Gedichten aus dem Kerker, verfasst von Maria Stuart oder Erich Mühsam, vom Theologen Fray Luis de León oder Ezra Pound, lassen Angela Schader das Blut in den Adern gefrieren. Da ist vom Pesthauch der feuchten Mauern die Rede, allerdings auch von bacchantischen Fantasien. Wie viel Ironie, Trotz und Stolz so mancher dichtende Gefangene oder gar dem Tod Geweihte noch aufbrachte, erstaunt die Rezensentin. An Form und Gehalt der Texte liest sie den Zeitenwandel ab, lernt über Haftbedingungen und dass Pathos nicht immer fehl am Platz ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2015

Die von Werner von Koppenfels unter dem Titel "Aus den Kerkern Europas" herausgegebene Sammlung poetischer Kassiber aus den letzten fünf Jahrhunderten hat Rezensent Harald Hartung ausgesprochen gut gefallen. Der Kritiker liest in dieser Anthologie neben vielen anderen etwa eine Gedichtfolge der schottischen Königin Maria Stuart, Gedichte von Francois Villon, der der Hinrichtung entging, der in Auschwitz ermordeten Gertrud Kolmar, des in einem Gitterkäfig inhaftierten Ezra Pound, Ossip Mandelstams, der in den Sowjetlagern umkam oder Walter Kempowskis, der in Bautzen einsaß. Vor allem lernt Hartung in dieser von Koppenfels mit vorsichtigen und gelungenen Übersetzungsverbesserungen herausgegebenen Ausgabe, wie stark die Macht der Sprache sein kann.
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