Der Band enthält über zweihundert Briefe des russisch-jüdischen Dichters Ossip Mandelstams. Er beginnt mit einer Karte des nach Paris reisenden Studenten Mandelstam und endet mit dem letzten, auf einen Zettel gekritzelten Schreiben des Lagerhäftlings aus dem Transitlager bei Wladiwostok. Neben Zeugnissen der Verfolgung und des Widerstandes gibt es in diesem Briefwerk das Zeugnis einer ungewöhnlichen Liebe: In den Briefen Mandelstams an seine Frau Nadeschda, die hier erstmals vollständig und ungekürzt auf deutsch erscheinen. Weiter enthält der Band Dokumente, die Mandelstams Verfolgung, Verhaftung und Verschickung ins Arbeitslager erhellen und die Stimmen von zwanzig Dichtern dieses Jahrhunderts, die ihre Bewunderung für den "Sonderling" Mandelstam formuliert haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.11.1999
Tief beeindruckt äußert sich Michael Braun über den Briefband des nach Josef Brodsky "größten russischen Dichters des 20. Jahrhunderts". Er skizziert Mandelstams Lage als verzweifelter Außenseiter in der Literatur des Kriegskommunismus und Stalinismus, die Einsamkeit der Verbannung und sein elendes Ende im Gulag. Eine "Insel" stellen inmitten dieser Finsternis die fünfzig Liebesbriefe des Dichters an Nadeschda Mandelstam dar. "Kongenial" nennt Braun Ralph Dutlis Übersetzungen, "grandios" die von Dutli betreute Werkausgabe Mandelstams.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 13.10.1999
Wladimir Kaminer erzählt in seiner Rezension einige sehr interessante Begebenheiten aus Mandelstams Leben. Nicht recht deutlich wird dabei jedoch, ob der Rezensent diese Begebenheiten in einer Biografie nachgelesen hat, oder ob er sie durch den vorliegenden Band in Erfahrung bringen konnte. Kaminer deutet in seiner Rezension nämlich an, das man eher Alltägliches in Mandelstams Briefen zu lesen bekommt (finanzielle Probleme mit dem Schneider, dem Vermieter etc.). Das klingt weitaus weniger spannend, als die von Kaminer erwähnten Prügeleien und vorlauten Äußerungen, mit denen sich Mandelstam zu Stalins Zeiten mehrfach in Lebensgefahr gebracht hat. Interessant ist jedoch der Hinweis des Rezensenten, dass erst durch die Öffnung der russischen Archive die Veröffentlichung dieser Briefe möglich geworden ist.
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