Wilhelm Bartsch

Hohe See und niemands Land

Gedichte
Cover: Hohe See und niemands Land
Wallstein Verlag, Göttingen 2024
ISBN 9783835353930
Gebunden, 139 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Die Gedichte dieser Sammlung bilden ein Fahrten- und Welten-Buch. Eine mitunter gefährliche Reise, auf die sich der Poet begibt, über die stürmische See hin zu einem unbekannten Land. Auf dem Weg dorthin führen die Gedichte räumlich und geschichtlich in Weiten und Tiefen, den Leserinnen und Lesern begegnen vielfältigste Ereignisse und Personen. Diesem world wide web, dieser Selbst- und Weltbegegnung steht vor allem Shakespeare als großes Vorbild voran, nur dass sich das angesprochene Du in Bartschs Sonetten nicht als Mann, sondern als Frau Welt entpuppt - und das Ich versucht, den gegenwärtigen Tumulten standzuhalten.
"Als Jeffers` Haus sich aus der Wolke schälte / Nach ihrem Ich-bin-Silberpfirsich-Trick, / War es ein Felskern gleich fürs Ungezählte, / Fürs unplanbare Ausmaß auch von Glück. / Farewell! Entmenschlicht stehn die Kliffs, die Weite / Durchströmt uns und der Seelenkompass zeigt / Nur hohe See und niemands Land, nur Heute, / Wo Geist als Licht blitzt, das die Wahrheit scheucht. / Sonst Desperados, wenn wir Banner pflanzen / Und bald zum Stückwerk machen jede Flur, / Soll unser Müll nun mit dem Ozean tanzen, / Nur weil zur Welt wir kommen im Big Sur? / Robinson Jeffers donnert im Gehäuse - / Wie kommen wir durch diese Weltraumschleuse"

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2024

Hellauf begeistert liest Rezensent Michael Kleeberg die Gedichte, die dieser Band Wilhelm Bartschs versammelt. Und zwar am liebsten laut, denn nur so entfalten sie laut Rezensent ihre volle Bedeutungskraft. Anhand eines close readings zeigt Kleeberg auf, wie viele Bezüge und Assoziationen in lediglich vier Worte Bartsch steckt - der reiche Anmerkungsapparat, der einige Bedeutungsebenen aufschlüsselt, gehört unbedingt zur Lektüre dazu, rät er. Der Dichter hat, da ist sich Kleeberg sicher, seine Kunst der Verdichtung in diesem Band noch einmal verfeinert und befindet sich nun auf dem Gipfel seines Schaffens. Unter anderem enthält der Band 56 Sonette, oft handeln sie von Liebe, dem Einzigen, wovon sich Bartsch Halt verspricht. Aber manchmal wird es auch balladesk-erzählend, führt Kleeberg fort, der außerdem Bezüge zu Shakespeare und James Joyce herstellt. Insgesamt scheint dem Kritiker diese Lyrik durchaus apokalyptisch grundiert, wobei bei Bartsch in jedem Ende auch ein neuer Anfang stecke. Kleeberg wünscht diesem Buch allen Erfolg der Welt.

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