Herausgegeben von Markus Bernauer, Adolf Borbein, Thomas W. Gaehtgens, Volker Hunecke, Werner Keil und Norbert Miller. Band 2 der erstmals vollständigen Edition von Wilhelm Heinses in Frankfurt aufbewahrten Nachlassheften umfasst seine von 1784 bis zu seinem Tod im Jahr 1803 niedergeschriebenen Aufzeichnungen. Ergänzt durch Briefe von und an Heinse sowie drei sogenannte Sammelhefte mit verstreuten, posthum zusammengefassten Notizen aus verschiedenen Epochen seines Lebens eröffnet sich dem Leser mit diesem Band eines der bedeutendsten Zeugnisse des von Heinse in Frage gestellten europäischen Neoklassizismus.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 19.05.2004
Wilhelm Heinse gehört eigentlich in den engeren Kreis der Italien-Reisenden, und seine Beschreibungen von Landschaften, Skulpturen und Gemälden, seine kunstheoretischen und philosophischen Erörterungen hätten das Zeug dazu gehabt, meint Rainer Wuthenow, die klassischen Italien-Bilder Goethes zu ergänzen oder zu korrigieren. Doch Heinses Aufzeichnungen blieben bis in die zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts unveröffentlicht, damals erschien eine Auswahl aus den Studienheften. Der Plan einer kompletten Edierung des Nachlasses hat sich auch diesmal zerschlagen, berichtet Wuthenow, aber die Studienhefte seien nun mühselig entziffert und erfasst worden. Beim Lesen zeige sich schnell, dass es sich nicht um Tagebücher, sondern um Materialhefte handele, die Heinse weniger als Aphoristiker denn als "genialen Fragmentisten" zeigten. Für Wuthenow ist Heinse ein großer Autor der kleinen Form, der sich zwar als Antipode von Winckelmanns Klassikvorstellungen verstand, dennoch keinen richtigen Kunstkritiker abgab, sondern dafür Gemäldebeschreibungen ablieferte, wie sie "keiner zustande gebracht" hat. Die Lektüre von Heinses Schriften erfolgt nicht ohne Mühe, gesteht Wuthenow - Heinse benutzt alleine sechs Sprachen - , doch seien seine Kunstgespräche auf einem Niveau, das "ihm noch neiden muss, wer anderer Ansicht ist".
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