Die Abenteuer von Winnetou dem Indianer hatten Ursula Haldimanns Kindheit geprägt. Als sie Jahre später bei einem Antiquar ein Foto entdeckt, ist die alte Magie wieder da: Das Bild, aufgenommen in der Schweiz, zeigt einen Häuptling in prachtvoller Montur und Federschmuck. Er ist keinem Roman von Karl May entsprungen, es hat ihn wirklich gegeben, den Irokesen Deskaheh aus dem Land am Grand River.
Im September 1923 reist er nach Europa. Denn Kanada, der Staat der Weißen, ist dabei, das Land der Irokesen zu besetzen. Der Häuptling will sich mit einem "Appell der Rothäute" an den Völkerbund in Genf wenden und in der freiheitsliebenden Schweiz für die Sache der Indianer werben. Zumindest Letzteres gelingt, die Schweizer liegen dem charismatischen Mann zu Füßen. Der Zutritt zum Völkerbund aber wird ihm verwehrt. Doch Deskaheh lässt sich nicht beirren - dann wird er krank. Sehr krank. 1925 stirbt er.
Rezensent Christoph Vormweg empfiehlt Willi Wottrengs Dokuroman über den Irokesenhäuptling Deskaheh, der Anfang der 1920er aus Kanada zum Völkerbund nach Genf reiste, um dort die nationale Unabhängigkeit seiner Leute durchzusetzen. Klug gemacht scheint ihm, wie der Autor seine eigenen Recherchen zum tatsächlichen Geschehen mit dem Entwurf einer Staatsanwältin als engagierter Ermittlerin verbindet. Das Thema Entrechtung und die Mühlen der Realpolitik vermag der Autor laut Vormweg in einfacher, klarer Prosa zu vermitteln. Eine toughe politische Parabel für die Oberstufe, so Vormweg.
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