Aus dem Polnischen von Karl Dedecius. "So weit das Auge reicht, herrscht hier der Augenblick. / Einer dieser irdischen Augenblicke, / die man zu verweilen bittet." Nach der Zuerkennung des Literaturnobelpreises 1996 publizierte Wislawa Szymborska erst vor drei Jahren wieder einen neuen Gedichtband, "Chwila" (Der Augenblick), der hier, vermehrt um weitere neue Gedichte, polnisch und in der deutschen Übertragung von Karl Dedecius erscheint.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.10.2005
Rezensent Yaak Karsunke zeigt sich überrascht von der thematischen Vielfalt der 30 Gedichte des Bandes. Sprachliche und philosophische Reflexionen seien genauso vertreten wie eine Begegnung mit der "Ersten Liebe" oder das Gedicht "Ein kleines Mädchen zieht die Decke weg". Und alle Gedichte, betont der Rezensent, würden dem Anspruch der polnischen Nobelpreisträgerin gerecht, die Poesie müsse über ihre themen "redlich und zurückhaltend" reden. Insbesondere das titelgebende Gedicht "Der Augenblick" stellt für den Rezensenten ein Musterbeispiel an "täuschend unaufwendiger Einfachheit" dar. Der Autorin gelinge diese scheinbare Einfachheit dabei stets auf "hohem Reflexionsniveau", betont Karsunke, beispielsweise in der Zeile: "und oben die Vögel im Flug in der Rolle fliegender Vögel". Wohl von den Vögeln angeregt bezeichnet Karsunke die Kunst der Poesie der Wislawa Szymborska an einer Stelle als: "schwebende Anmut".
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