Wladyslaw Bartoszewski, ehemaliger polnischer Außenminister, Untergrundkämpfer der Polnischen Heimatarmee und Häftling in Auschwitz, berichtet so offen und detailliert wie nie zuvor über seine Zeit in der Hölle des Konzentrationslagers. Am 22. September 1940 kam mit über 5.000 anderen Häftlingen auch der achtzehnjährige Wladyslaw Bartoszewski nach Auschwitz und musste vom Lagerkommandanten hören, dass "der Kamin der einzige Weg ins Freie" sei. Der mit der Nummer 4427 gekennzeichnete Sohn eines Bankbeamten geriet an einen Ort, an dem man, wie er selbst sagt, aufhörte, "zu erörtern, ob es schrecklich und inhuman ist, geschlagen zu werden. In unserem Verständnis waren konkrete Dinge wichtiger: Auf die Fresse oder in die Nieren?" Im Gespräch mit Piotr M. A. Cywinski, Direktor des Museums Auschwitz-Birkenau, und dem Journalisten Marek Zajac erinnert sich der Jahrhundertzeuge Bartoszewski an die Anfangszeit des Lagers, an den unerträglichen Alltag, an Leidensgenossen und Täter.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2015
Um mehr über Auschwitz zu erfahren, mehr über das Schicksal politischer Gefangener in Polen nach 1939, empfiehlt Hans-Jürgen Döscher die Erinnerungen des späteren polnischen Außenministers Wladyslaw Bartoszewski, die zum 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers erscheinen. Bartoszewskis Bericht über seine Zeit als Häftling Nummer 4427, ist zwar kein Augenzeugenbericht des Holocaust, wie Döscher anmerkt. Dem Rezensenten zeigt er jedoch die Anfänge von Auschwitz, den von Zwangsarbeit und einer makabren Rangordung bestimmten Lageralltag. Außer den Erinnerungen enthält der Band ein Gespräch mit dem Autor, Texte anderer ehemaliger Häftlinge sowie verschiedene "Untergrundpublikationen" über Auschwitz, so lässt uns Döscher wissen.
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