Penguin Verlag, München 2026
ISBN
9783328605188 Gebunden, 128 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Seit seinem wunderbaren Überleben im Inferno der Bombennächte 1943, in denen, wie er schrieb, seine Lebensuhr festschmolz und er für immer sechseinhalb Jahre blieb, sieht Wolf Biermann immer auch mit einem Kinderauge auf das Leben. Dieser Kinderblick ist das hellwache Staunen im Blick des alten Dichters. Zu seinem 90. Geburtstag veröffentlicht Wolf Biermann nun einen neuen Gedicht-Band: Mit uralten Kinderaugen. Denn inzwischen sagt Wolf Biermann über sich selbst auch: Ich bin kein alter Mann mehr! Ich bin schon ein blutjunger Greis! Denn er ist "wunderbar lebengeblieben" in den - hoffentlich - letzten zwei deutschen Diktaturen."Paar Wahrheiten hab ich zusammengereimt / Gespottet, geküsst, gejammert, geflucht / Gespuckt und gekotzt, doch niemals geschleimt / Dich hab ich gefunden, mich hab ich gesucht. / Ich staunte die Welt an, seit eh und je / - mit Kinderaugen, uralten."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2026
Rundum glücklich wird Rezensent Christian Metz mit Wolf Biermanns neuem Gedichtband nicht, gleichwohl scheint er ihn mit Gewinn gelesen zu haben. Kummer treibt diesen Dichter an, das ist Metz, sofort klar, vor allem der in Auschwitz ermordete Vater bildet den "Wesenskern" dieser Lyrik und ist laut Biermann der Grund dafür, was aus ihm geworden ist: "ein tapferer Renegat des Kommunismus. Ein todtrauriges Glückskind in Deutschland, ein greises Weltenkind." Auch dem Streit um Israel widmet sich Biermann in seinen Texten, so Metz, zum Beispiel im Gedicht "Um meinetwillen, Israel", das er 2008 zum dreizehnten Todestag Yitzhak Rabins vortrug. Stilistisch steht, meint Metz, offensichtlich nach wie vor Heinrich Heine Pate, wobei Biermann zwar ähnlich furios wie sein Vorbild drauflos dichtet ("Gespottet, geküsst, gejammert, geflucht / Gespuckt und gekotzt, doch niemals geschleimt"), aber Heines unbedingt Sprachsicherheit doch hier und da vermissen lässt. Biermanns Gedichte leben hingegen davon, dass sie sich der Geschichte "Situation für Situation unermüdlich auszusetzen", und darin findet Metz sie alles in allem doch ziemlich beeindruckend.
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