Wolfgang Beilenhoff (Hg.), Sabine Hänsgen (Hg.)

Der gewöhnliche Faschismus

Ein Werkbuch zum Film von Michail Romm
Cover: Der gewöhnliche Faschismus
Vorwerk 8 Verlag, Berlin 2009
ISBN 9783940384126
Kartoniert, 336 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Michail Romms "Der gewöhnliche Faschismus" (Obyknowenny faschism, SU 1965) ist bis heute eine der zentralen filmischen Auseinandersetzungen mit Nationalsozialismus und Holocaust. Montiert wurde der Film aus 'fremden' Material: bei dem Rohmaterial, aus dem Romm und seine Co-Autoren Juri Chanjutin und Maja Turowskaja auswählten, handelte es sich um zwei Millionen Meter Film (NS-Wochenschauen, Dokumentarfilme und Kulturfilme), die 1945 von der Roten Armee aus den Beständen des Reichsfilmarchivs konfisziert worden waren. Im Zentrum des Werkbuchs steht das nach dem Originallayout reproduzierte, vom Regisseur selbst entworfene, zu seinen Lebzeiten jedoch von der Zensur verbotene Foto-Text-Buch, das eine neue Lektüre des Films ermöglicht, die sich zwischen Fotogrammen und schriftlichem Kommentar hin- und herbewegt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2010

Das Begleitbuch zum Film "Der gewöhnliche Faschismus" von Michail Romm, der 1968 in der Sowjetunion in die Kinos kam, wurde seinerzeit von der Zensur zurückgehalten und liegt erst jetzt in einer deutschen und russischen Fassung vor, teilt Peter Geimer mit. Für ihn stellt das Buch dieses bemerkenswerten "Kompilationsfilms", in dem der russische Regisseur eine Flut von Materialien aus NS-Wochenschauen, Privatfotos, Amateurfilmen und Ähnlichem zusammengestellt und mit einem Kommentar versehen hatte, ein durchaus eigenständiges Werk. Nicht alle Kommentare Romms sind zeitgemäß und die "Rhetorik des Kalten Krieges" und irritierende Einschätzungen des Faschismus in anthropologischen Kategorien stellt auch das Nachwort berechtigterweise heraus, bemerkt Geimer. Dafür hat er besonders interessiert die Passagen des Buches gelesen, die sich mit der gänzlich unterschiedlichen Rezeption des Films in DDR und BRD befassen. Und zudem entdeckt er hier ein Bild von Geschichte, dass der "falschen Unmittelbarkeit" der Doku-Dramen, die heute das Fernsehen beherrschen, etwas entgegenzusetzen hat, wie er zufrieden feststellt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.01.2010

Gefesselt hat sich Ulrich M. Schmid dem Dokumentationsband zu Michail Romms Film "Der gewöhnliche Faschismus" von 1966 gewidmet, den die Filmwissenschaftler Wolfgang Beilenhoff und Sabine Hänsgen jetzt herausgegeben haben. Er bietet Hintergründe und die Rezeptionsgeschichte sowie erstmals auch das Buch zum Film, das damals nicht mehr erscheinen konnte, teilt der Rezensent mit. Der Band macht nicht nur einmal mehr deutlich, um was für einen erstaunlichen, durch seine analytische Schärfe und seinen ästhetischen Anspruch beeindruckenden Dokumentarfilm es sich handelt, lobt der Rezensent. Insbesondere die ganz unterschiedliche Rezeption des Films in Ost- und Westdeutschland hat Schmid mit großem Interesse zur Kenntnis genommen, und für ihn zeigen die Reaktionen auf den Film nicht zuletzt, dass Romm mit seinem beeindruckenden Werk einen "Nerv der Zeit getroffen" hat, der im Übrigen neuere Forschungen zum Faschismus vorwegnimmt, wie der Rezensent noch betont.

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