Wolfgang Hegewald wendet die Dinge, die er beobachtet, um und um, destilliert aus dem scheinbar Alltäglichen die abenteuerlichsten Bestandteile, setzt sie neu zusammen: Weltseitenblicke als Sprachkaleidoskop. So wird das Selbstverständliche plötzlich zu einem geheimnisvollen Ort des Schreckens oder existentieller Komik. "Ist das schon die Hölle oder noch das Fegefeuer", fragt sich der Autor, der notiert, was ihm auf Reisen zwischen Hamburg und Helgoland, Neu-Ulm, Dresden und Rom geschieht und durch den Kopf geht, oder in Halberstadt, wo man sich schon auf das Jahr 2640 freuen kann, wenn das Orgelstück von John Cage nach 639 Jahren enden wird. Verwundert hört er davon, dass Greta Thunberg im Wachsfigurenkabinett jetzt neu zwischen Papst Franziskus und Helene Fischer steht. Um große und kleine Politik geht es, um Wahlen und Kunstakademien, um Gott und Grammatik, um Literatur und den zugehörigen Betrieb - und immer wieder um die Frage, ob wir begreifen, was wir gerade erleben. Hegewalds "Tagessätze" enden mit einem "springenden Punkt".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2021
Rezensent Thomas Combrink liest Wolfgang Hegewalds Tageseinträge auf das Jahr 2020 wie einen Roman. Wie der Autor das Material des Tages, Persönliches und Kollektives, die Suche nach einem Grab für sich selbst, Elke Heidenreichs Genörgel in einer Talkshow, die Pandemie, aus der Erinnerung poetisch gestaltet beziehungsweise paraphrasiert, findet Combrink anregend. Leitmotive, unerwartete Überlegungen und Metaphern, aphoristische Pointen und die ironische Haltung des Autors machen die Lektüre für den Rezensenten wertvoll. Die Subjektivität ist die Stärke des Buches, findet er.
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