Die kommentierte Textsammlung dokumentiert anderthalb Jahrhunderte anhaltender deutscher Faszination durch die französische Metropole.
Unter den großen Zielen ragt Paris zwischen 1789 und 1933 für deutsche Reisende besonders hervor. Während dieser anderthalb Jahrhunderte erfuhren sie die französische Metropole nicht nur als sprachliche, ethnische und kulturräumliche Fremde, sondern auch als einen Ort der fortgeschrittenen Moderne. Meist unausgesprochen suchten sie an ihm Orientierung auf dem Weg in die eigene Zukunft. Spätestens mit dem Ersten Weltkrieg erlosch die utopische Leuchtkraft von Paris. Die Stadt wurde nun von vielen Autoren in weltgeschichtlicher Perspektive als eine Stadt der Vergangenheit vergegenwärtigt.
Die über 200 Texte sind in dichter Folge chronologisch angeordnet. Sie präsentieren eine Vielfalt an Themen und sind fokussiert auf den Aspekt "Zeiterfahrung". Neben bekannten kommen zahlreiche vergessene Autoren zu Wort, darunter etwa Ida Kohl oder Paul Cohen-Portheim, die eine Wiederentdeckung lohnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2017
Jan Röhnert findet die Anthologie von Gerhard R. Kaiser hervorragend ediert. Auch den Beginn der deutschen Paris-Berichte mit dem Revolutionsjahr, wie ihn Kaiser datiert, scheint ihm nachvollziehbar. Der Versuch deutscher Selbst- und Fremderfahrung in Paris wird dem Rezensenten deutlich. Vor allem auch in den weniger bekannten Texten, die Kaiser versammelt, von Murhard und Dingelstedt, von Kracauer und Fanny Lewald. Die Frauen-Blicke vergegenwärtigen Röhnert Paris als Zentrum weiblicher Identität und lassen ihn erkennen, dass dort nicht nur Stereotypen nationaler Art verhandelt wurden, sondern auch Geschlechterrollen.
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