Wolfgang Koydl zeichnet ein biographisches Porträt des Bush-Herausforderers John Kerry, das sein privates Umfeld und die prägenden Stationen seines Lebens - etwa seine Kindheit im Nachkriegs-Berlin und den Vietnam-Krieg - ebenso berücksichtigt wie seine politischen Leistungen und Positionen. Einen Schwerpunkt in der Darstellung bildet neben der zukünftigen Außenpolitik der USA, Kerrys Einstellung zum "Kampf gegen den Terror" und seinen umweltpolitischen Vorstellungen die zukünftige Rolle Europas.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.09.2004
Norbert Finzsch beurteilt das Buch des SZ-Korrepondenten Wolfgang Koydl positiv - was bei einer Besprechung, die in der "Süddeutschen Zeitung" erscheint, anders nicht zu erwarten war. Der Rezensent preist Koydls Stil, aber auch seine Analysefähigkeit. Das Buch ist zweigeteilt, in eine Biografie und in eine Untersuchung von Kerrys Programm und Mannschaft. Koydls nüchterner Blick auf den zu erwartenden "durchaus selbstbewussten Kurs" einer USA unter einem Präsidenten Kerry wird nachdrücklich gelobt. Dass gerade Kerrys große Stärke, Wähler aus dem konservativen und dem liberalen Lager zugleich anzusprechen, auch sein großes Problem ist, erfasst Koydl sehr genau, lobt Finzsch. Denn so steht der Herausforderer vor der Notwendigkeit, seinen Weg zwischen Progressivität und Konservatismus finden zu müssen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.08.2004
Rezensent Christoph Fleischmann lobt an diesem Buch von Wolfgang Koydl, USA-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, zum amerikanischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry, dass es seinen deutschen Lesern das politische System in Amerika erkläre und es gegen das Vorurteil verteidige, wonach die amerikanische Demokratie zur Oligarchie der Superreichen verkommen sei. So verweise Koydl etwa, erfährt man, auf den gegenüber der Regierung sehr unabhängigen Kongress, der weniger von Fraktionsdisziplin beherrscht sei als der deutsche Bundestag. Trotzdem würden, kritisiert Fleischmann, Koydls Erklärungen zu den Wahlkampfspenden, die immer wahlentscheidender werden, sowie zur geringen Wahlbeteiligung bei der wichtigsten Wahl in vier Jahren dann doch unbefriedigend bleiben. Außerdem bemängelt der Rezensent, dass Koydl die innen- und wirtschaftspolitischen Vorstellungen des Kandidaten Kerry nicht genügend beleuchten würde.
Claus Leggewie sichtet in seiner Mehrfachbesprechung all die Bücher über John F. Kerry, die pünktlich zum Start der heißen Wahlkampfphase in den USA auch auf den deutschen Büchermarkt kommen. Politische Analysen oder vergleichende Presidential Studies findet man in keinem der vorliegenden Bücher, bedauert Leggewie, und das entscheidende Urteil über Kerry steht natürlich auch noch aus. Trotzdem lobt er Wolfgang Koydls nach Land, Person Programm und Team gegliedertes Porträt, das er allen empfehlen kann, die Kerry im Kontext der aktuellen Politik bewerten möchten.
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