Das Buch geht aus von der Frage nach der Möglichkeit einer historischen Traumaforschung. Diese Perspektive wird erweitert um die Einbeziehung klinischer und kultureller Deutungsmuster für Traumafolgestörungen. Leitend sind dabei die Fragen, wie eine Kultur durch Traumatisierungen beeinflußt wird und wie sie auf Traumatisierungen und auf Traumatisierte reagiert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.01.2006
Zufrieden zeigt sich Robert Jütte mit diesem Sammelband über die Geschichte des Traumas. Erika Fischer-Hombergers Beitrag über die Veränderungen im Verständnis des Traumas, von einer Wunde der Haut zur unblutigen Verletzung der Seele, findet er "lesenswert", Wolfgang U. Eckarts Beitrag über die psychotraumatischen Folgen menschlicher Grenzerfahrung "prägnant". In Dieter Nitzgens Untersuchung der traumatischen Aspekte im Werk von Ernst Jünger sieht Jütte einen Beleg dafür, dass psychotraumatologische Konzepte auch ein "interessantes Instrument in der Hand von Literaturwissenschaftlern" sind. "Eher abschreckend" erscheinen ihm dagegen Harald Weinböcks "langatmige" und von literaturtheoretischem wie psychoanalytischem Jargon durchsetzten Ausführungen zur dissoziativen Intellektualität in der Nachkriegszeit. Jütte hebt hervor, dass der Band auch Beispiele für Traumata aus jüngster Zeit behandelt, die durch sexuelle (Vergewaltigung) oder terroristische Gewalt (11. September 2001) ausgelöst wurden. Dagegen hat er einen Beitrag über die Tradierung des Traumas der nationalsozialistischen Judenvernichtung "schmerzlich" vermisst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.07.2005
Der von Günter H. Seidler und Wolfgang U. Eckart herausgegebene Band "Verletzte Seelen" stellt die historische Psychotraumatologie vor, die sich mit den Besonderheiten seelischer Verletzungen durch Gewalterfahrungen beschäftigt, berichtet Rezensent Eberhard Rathgeb. Während sich Rathgeb ausführlich mit Harald Weilnböcks Aufsatz über "dissoziative Intellektualität in der Nachkriegszeit" befasst, dessen Thesen er "anregend" findet, schweigt er sich über den Rest des Bandes aus. Wie er berichtet, befasst sich Weilnböck mit intellektuellen Debatten, denen Gewalterfahrungen zugrunde liegen, und zieht im Rückblick auf die bundesrepublikanischen Intellektuellen eine Linie von Karl Heinz Bohrer zu Peter Sloterdijk und Botho Strauß. Rathgeb folgt Weilnböcks Überlegungen zu Bohrer, der in einem Aufsatz die historische Gewalterfahrung Ernst Jüngers und dessen ästhetische Verarbeitung thematisiert, und insbesondere Jünger mit der Kategorie der Plötzlichkeit ästhetisch rehabilitiert hatte. "Jünger stellte gegen den assoziativen Gestus des Erzählens, der die Welt noch zusammenhielt, den dissoziativen Gestus des Erzählens, der den Bruch der Kontinuitäten verinnerlichte", erklärt Rathgeb.
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