Alles begann im Januar 1891 mit einer Sex-Party im Berliner Jagdschloss Grunewald. Teilgenommen hatten rund 15 adlige Damen und Herren der Hofgesellschaft einige davon pikanterweise enge Verwandte Wilhelms II. Ihr sexuelles Treiben wurde in anonymen und mit pornografischen Fotos versehenen Briefen angeprangert. Der Inhalt der anonymen Briefe sickerte an die Öffentlichkeit durch, rasch zog der Skandal immer weitere Kreise. Als Verfasser der Briefe verdächtigt wurde Zeremonienmeister Leberecht von Kotze. In seiner Ehre verletzt, verdächtigte er seinerseits adlige Standesgenossen, ihn verdächtigt zu haben. Es kam zu mehreren Duellen in die Auseinandersetzungen um die Frage der Ehre mischte sich Wilhelm II. höchstpersönlich ein.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.12.2010
Als kurzweilige Rekapitulation eines pikanten Ereignisses und zugleich interessante Reflexion über sich wandelnde Vorstellungen von Männlichkeit und persönlicher Ehre im wilhelminischen Kaiserreich lobt Oliver Pfohlmann Wolfgang Wippermanns Buch über einen historischen Skandal. 1891 prangerten anonyme Briefe die skandalösen Ausschweifungen Adliger im Jagdschloss Grunewald an, deren Geschichte und Folgen der Autor nachgeht, so der Rezensent gefesselt. Zwar scheinen ihm die Überlegungen, wer als Absender der Briefe in Frage kommt, wenig plausibel. Dafür findet er Wippermanns Ausführungen über die dem Skandal folgenden Auseinandersetzungen mit Duellpraxis und Männlichkeit umso gewinnbringender, zumal für ihn hier auch die historische Entwicklung von "Mentalitäten" in den Blick gerückt wird, die heute beispielsweise im Form von Ehrenmorden wieder traurige Aktualität gewinnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 26.08.2010
Rezensent Rudolf Walther freut sich in seiner recht detaillierten Rezension darüber, dass der Historiker Wolfgang Wippermann einen landläufig bislang wenig bekannten Gesellschaftsskkandal aus dem wilhelminischen Deutschland für einen Laienpublikum auf 160 Seiten "gut lesbar" aufbereitet. Der Sex- und Erpressungsskandal, der den Hochadel seinerzeit erschütterte, markierte nämlich das Ende "privater Rechtsfindung durch Duelle" und steht damit auch für eine Verschiebung von Vorstellungen von Männlichkeit, erklärt Walther. In Fachkreisen ist dieser Vorfall nach Walthers Einschätzung durch John C. G. Röhls "monumentale" Biografie Wilhelms II. ziemlich bekannt. Dank Wippermanns Veröffentlichung kann jetzt auch eine breitere Öffentlichkeit diese kleine Zeitenwende nachvollziehen.
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