Ein ehemaliges Kino in Wuppertal, das den Allerweltsnamen Lichtburg trägt und das heute von außen nicht mehr als Filmtheater erkennbar ist: Nichts lässt einen Passanten, der an dem an einem schmucklosen Verkehrsknotenpunkt gelegenen, ergrauten Bau aus den 1950er Jahren vorbeigeht, vermuten, dass Pina Bausch und ihr Ensemble an diesem Ort seit 1977 fast alle Stücke entwickelt haben und bis heute proben: von Renate wandert aus bis Como el musguito en la piedra, ay, sí, sí, sí.
Der abgewetzte Charme des in die Jahre gekommenen alten Kinosaals erzeugt eine einzigartige Atmosphäre der Kreativität. Die Lichtburg ist ein Ort, der ganz für die Kunst reserviert ist und der dem Alltag vor seinem unscheinbaren Eingang dennoch sehr nah ist: Will man diesen Ort betreten oder verlassen, muss man durch die Geschehnisse an einer Bushaltestelle, vor einer Eckkneipe und einem Schnellrestaurant buchstäblich hin- durchsteigen. Nur selten hatten Außenstehende Gelegenheit, das Tanztheater Wuppertal hier bei der Arbeit zu beobachten, wie es Wilfried Krüger konnte. Seine bei Proben zum Stück Nelken entstandenen Bilder fangen die besondere Atmosphäre dieses Ortes auf eindringliche Weise ein.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.06.2017
Rezensentin Dorion Weickmann freut sich über gleich zwei im Nimbus Verlag erschienene Bildbände zu Pina Bausch. Fasziniert blickt der Kritiker auf den Bildern der Fotografen KH. W. Steckelings und Wilfried Krüger hinter die Kulissen der Lichtburg, wo Bauschs Tanztheater sich einquartierte und doch nur provisorisch einrichtete. Auf Krügers Aufnahmen von 1996 erblickt Weickmann die Tänzerin und Choreografin etwa dirigierend mit Bleistift und Kippe zwischen Umzugskartons. Vor allem aber staunt der Rezensent, wie die Fotografen nicht nur das Karma des ehemaligen Kinos einfangen, sondern auch zeigen, wie Bausch und ihre Truppe "akademische Schönheitsideale" zersetzten.
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