Wulf Kirsten ist einer der sprachmächtigsten Dichter unserer Zeit. Beinahe verlorene Worte, in seinem Werk haben sie ihren Platz. Sinnlichkeit und Klarheit, in seinen Gedichten finden sie ihren Ausdruck. Leise und doch so unmittelbar und unausweichlich entfalten sich Landschaftsszenen, Kindheitserinnerungen und Dichterporträts.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.12.2012
Nico Bleutge mag das Konkrete und Handwerkliche an Kirstens Gedichte: "Wörter wie 'straubicht', 'schollern' oder 'geglinster'", kommen darin vor, staunt er. Sie dienen zur Beschreibung der Landschaft bei Meißen, aus der Kirsten stammt. Sehr schön zeigt Bleutge, wie Kirsten etwa aus der Kombination von Fachsprachen, etwa der Holzbearbeitung, mit Alltagswörtern sinnliche Funken für die eigene Weltwahrnehmung schlägt. Viel weniger schätzt Bleutge es allerdings, wenn Kirsten zu abgegriffenen Reimen greift, um politische Ansichten zum Besten zu geben. Zum Glück ist der Band für ihn aber nicht von solchen Botschaften dominiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.10.2012
Mit diesem Dichter möchte Rezensent Jan Volker Röhnert Thüringen durchwandern. Durch seine Kindheitslandschaft, aber auch andere Landstriche streift Wulf Kirsten in diesen Gedichten, die Röhnert gar nicht mehr für möglich gehalten hätte, so unzeitgemäß lutherisch erscheinen sie ihm, so im Untergrund deutscher Poesie wühlend, bei Hölderlin und Brecht etwa. Dynamisch, wortkaskadisch fluchend, bäuerisch stur, archaisch tönt ihm das im Ohr, wenn von "Kuhfatzlern" und "rotlappigen" Truthähnen die Rede ist, die aus dem Garten "gauderten". Und virtuos. Den Autor bewundert er nicht als Natur-, sondern als Landschaftsdichter, der auch vor Kommentaren zur Krise nicht zurückschreckt oder vor der Kunst des Porträts, um seine widerständige Rolle im Jetzt zu behaupten. Da funkt es plötzlich wieder in der Natur, staunt Röhnert.
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