Marie Vieux-Chauvet

Der Tanz auf dem Vulkan

Roman
Cover: Der Tanz auf dem Vulkan
Manesse Verlag, Zürich 2023
ISBN 9783717525523
Gebunden, 496 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Nathalie Lemmens. Mit einem Nachwort von Kaiama L. Glover. Port-au-Prince 1792: Minette ist die Tochter einer freigelassenen Sklavin. Dank ihrer außergewöhnlichen Gesangsstimme darf sie als erste Farbige im Theater von Port-au-Prince auftreten. Auf den Zuschauerrängen sitzen die Kolonialherren. Sie sind durch die harte Arbeit ihrer Sklaven reich geworden und kopieren die Pariser Lebensart. Doch unter der Oberfläche brodelt es schon lange. Die Ausbeutung von Mensch und Natur schürt soziale und ethnische Spannungen. Minette verliebt sich in einen erfolgreichen Freigelassenen. Als sie jedoch bemerkt, dass er seine Sklaven genauso brutal behandelt wie die Weißen, bricht sie mit ihm und schließt sich einer Untergrundorganisation an.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.08.2023

Marie Vieux-Chauvet hatte es als erste gewagt, von Haitis Sklavenrevolution gegen die Franzosen zu erzählen, informiert uns Rezensent Cornelius Wüllenkemper. Auch nach der Machtübernahmen blieben viele der alten Abhängigkeiten erhalten ebenso wie der Rassismus, der sich auch mal umdrehen konnte: 1957, im Erscheinungsjahr des Romans kam der schwarze Diktator François Duvalier an die Macht, der erst einmal Tausende Mulatten ihrer helleren Haut wegen massakrieren ließ, erzählt der Kritiker. Im Zentrum des Romans stehen die schwarzen Schwestern Minette und Lise, die mit ihrem schönen Gesang ein Theaterensemble vor dem Ruin retten, dafür aber nicht entlohnt werden. An ihrem Schicksal entlang zeichnet Vieux-Chauvet ein Panorama, in dem "freie Sklaven, Kolonisten, landlose Weißen, privilegierte "Mulatten", schwarze Frauen und weiße Männern wechselnde Bündnisse eingehen, während gleichzeitig jeder gegen jeden kämpft. Unbedingt lesenswert, findet Wüllenkemper, der auch die Übersetzung von Nathalie Lemmens und das "kenntnisreiche" Nachwort von Kaiama L. Glover lobt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 10.06.2023

Rezensentin Dina Netz ist begeistert von diesem 1957 erstmals erschienenen Roman von Marie Vieux-Chauvet, einer "Pionierin des feministischen anti-kolonialien Schreibens", der von der haitianischen Revolution erzählt. Im Jahr 1792 ist die gesellschaftlich-politische Lage auf Haiti höchst angespannt, lesen wir. Die Wut über die Ausbeutung und Benachteiligung schwarzer Menschen entlädt sich in Aufständen gegen die weißen Kolonisatoren und führt in der Folge, im Jahr 1804, zur Unabhängigkeit Haitis, erinnert Netz. In dieser instabilen Situation wächst Minette auf, resümiert die Kritikerin, die "Tochter einer freigelassenen Sklavin". Durch ihre außergewöhnliche Singstimme schafft sie es, sich am Theater von Port-au-Prince aller gesellschaftlichen Widerstände zum Trotz zu etablieren. Die Kritikerin schätzt die differenzierten und lebensnahen Charaktere, die nicht nur gut geschrieben sind, sondern auch ein vielschichtiges Abbild der damaligen haitianischen Gesellschaft ergeben. Außerdem vermag es die Autorin eine so starke "sinnliche Dichte" der Atmosphäre zu kreieren, dass Netz fast glaubt, sie hören und schmecken zu können.

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