Yanick Lahens

Und plötzlich tut sich der Boden auf

Ein Journal
Cover: Und plötzlich tut sich der Boden auf
Rotpunktverlag, Zürich 2011
ISBN 9783858694393
Gebunden, 160 Seiten, 18,50 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Jutta Himmelreich. Es war einmal eine Stadt, die hieß Port-au-Prince....Am 12. Januar 2010 um 16.53 bebt in Haiti die Erde. Nach weniger als einer Minute ist nichts mehr, wie es war. - Ein Weltungergang, den Yanick Lahens hier in Worten festhält. Sie erzählt, wie sie das Beben erlebt hat, wie sich plötzlich der Boden unter den Füßen auflöste, wie sie aus dem Haus ins Freie lief, gemeinsam mit den Nachbarn Zuflucht suchte. Sie berichtet von der ersten Fahrt ins Zentrum von Port-au-Prince, wo es ganz still ist. Wo die Toten auf der Straße liegen, wo Menschen sich suchen, sich wiederfinden, wo Verschüttete um Hilfe rufen. Haiti, warum trifft es schon wieder Haiti?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.06.2011

Sehr nachdrücklich legt uns Rezensentin Andrea Pollmeier die Lektüre von Yanick Lahens' Haiti-Journal ans Herz, das weniger in einem Tagebuch das schwere Erdbeben von 2010 festhält als vielmehr in einem Hybrid aus Chronik, Analyse und Fiktion. Hier "ist Not unmittelbar", stellt Pollmeier berührt fest, wenn sie etwa von Verschütteten liest, mit denen tagelang nur über das Handy Kontakt gehalten werden konnte, bis sie schließlich starben. Aber auch die gesellschaftlichen Analysen, die Richtigstellung irreführender Haiti-Klischees und die Kritik an den Nord-Süd-Verhältnissen findet die Rezensentin wichtig und richtig.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2011

So ganz ersichtlich wird die Machart von Yanick Lahens' "Und plötzlich tut sich der Boden auf" aus Hans-Christoph Buchs Besprechung nicht. Es handelt sich um eine unmittelbare Reaktion der Autorin auf das verheerende Erdbeben in ihrer Heimat. Das aber wohl nicht in Form einer erzählten Geschichte, sondern in der des "Prosagedichts". Es gibt darin nicht nur Beobachtungen über die schwierige Abhängigkeit Haitis von internationaler Hilfe nicht erst seit der Katastrophe, sondern auch Reflexionen über Schreiben in dieser Situation. Buch ist dem Band sichtlich gewogen, findet manche Frage oder Passage allerdings ein wenig "naiv" und kritisiert auch Details der insgesamt aber doch gelungenen Übersetzung von Jutta Himmelreich.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2011

Yanick Lahens' poetisch-objektiver Bericht über die Erdbeben-Katastrophe in Haiti von 2010 ist für Martin Zähringer nicht nur Beweis einer unvermindert kraftvollen haitianischen Literatur. Zugleich zeigt die Autorin darin eine berührende "unmittelbare Nähe zu ihrem Volk" und hat einen klaren Blick auf die Zustände in Haiti, insbesondere der katastrophalen Armut des Landes, so der Rezensent. Der Bericht beinhaltet auch eine "kritische politische Bilanz" der Lage und betrachtet ebenso kritisch die internationalen Hilfsmaßnahmen, die in den Augen der unzufriedenen Autorin nicht unbedingt Hilfe zur Selbsthilfe darstellen und auch nicht alle Versprechen eingelöst haben. Zähringer findet es wichtig, dass angesichts der verheerenden Lage Haitis auch Kulturschaffende wie Lahens nicht aufhören, Aufmerksamkeit und eine "planetarische Solidarität" für ein außergewöhnlich gebeuteltes Land einzufordern.

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