Yannic Han Biao Federer

Für immer seh ich dich wieder

Cover: Für immer seh ich dich wieder
Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783518474822
Gebunden, 184 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Charlotte und Yannic erwarten ein Kind. Zwischen Pränatalscreening, Projektabschlüssen und Elterngeldrechner richten sie sich ein auf ein neues Leben als Familie. Doch dann ereignet sich die Katastrophe, ihr Sohn, Gustav Tian Ming, stirbt. Eben noch haben sie Wickeltische gegoogelt, Stillkissen angeschafft, plötzlich müssen sie einen Kindersarg aussuchen, ein Grab kaufen. Alles fühlt sich falsch an, verrückt und wie ausgedacht, aber es passiert wirklich. Erschütterte Verwandte und Freunde reisen an oder nehmen Anteil aus der Ferne, tragen Opferschalen in den Tempel. Und während Charlotte und er mit einer Bürokratie zu kämpfen haben, die mit totgeborenen Kindern kaum umzugehen weiß, beginnt Yannic aufzuschreiben, was um ihn her geschieht. Es ist ein Versuch zu begreifen, was ihnen widerfahren ist, eine Sprache zu finden für die Trauer und den Schmerz, aber auch für die Wärme und Liebe, die sich darin verbirgt. Yannic Han Biao Federer erzählt vom Verlust seines Sohnes, von Abschied und Carearbeit, von Elternschaft und Liebe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2025

Ein starkes Buch über Verlust liest Rezensent Nico Bleutge: Yannic Han Biao Federer schreibt über das Kind, das die Hauptfigur Yannic und dessen Partnerin Charlotte kurz vor dem Geburtstermin verlieren. Die beiden erleben dies als einen kaum beschreibbaren Verlust, wobei Yannic gleichzeitig vom Wunsch erfüllt ist, über das Erlebte zu schreiben - was er dann auch tut. Federers Buch ist, entnehmen wir der Rezension, gleichzeitig Beschreibung des Erlebens und Beschreibung des Schreibvorgangs, teils arbeitet der Autor mit Fotos, die im Krankenhaus entstanden sind, auch ansonsten geht es viel um Wahrnehmungsdetails, die allerdings vom Autor immer wieder geschickt auf Abstand gebracht werden durch sprachliche Formeln wie "Ich schreibe". Auch Yannics Vater spielt eine wichtige Rolle, außerdem erfahren wir mehr über die Beziehung mit Charlotte und unternehmen mit beiden eine Reise. Gut gefällt Bleutge außerdem, dass der Verlust Yannic nicht bricht, sondern, dass es ihm gelingt, in der Welt Zeichen zu finden, die ein Weiterleben ermöglichen. Dass Schreiben auf diese Weise auch dem ungeborenen Kind ein Weitererleben ermöglichen, findet der Rezensent schlicht großartig.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 29.04.2025

Rezensent Valentin Wölflmaier zeigt sich tief berührt von Yannic Han Biao Federers "Für immer seh ich dich wieder" - ein Text, in dem der Autor erzählend und diesen Trauererzählprozess stets reflektierend den Tod seines Sohnes Gustav kurz vor dessen Geburt verarbeitet. Federers knappe, rhythmische Halbsätze im Präsens erzeugen einen ungeheuren Sog und geben dem Text eine schmerzhafte Unmittelbarkeit, lobt der Rezensent. "Tastend" und dennoch präzise und poetisch erzählt er von den Erfahrungen des Paares im Krankenhaus, der langsamen Genesung seiner Freundin Charlotte und der rührenden Anteilnahme seiner Mitmenschen. Oder, um es mit den Worten des Autors zu sagen: "Genau und schön" müsse der Text sein, weil ein solches Schreiben "Grabpflege" sei. Das ist dem Autor gelungen, so der bewegte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.04.2025

"Geradezu tragisch-schön" findet Rezensent Martin Oehlen dieses autobiografisch geprägte Buch von Yannic Han Biao Federer, das von einem Paar handelt, dessen Sohn noch im Mutterleib stirbt. Oehler geht die Geschichte so nahe, dass er das Gefühl hat, sie fast greifen zu können: die Prozeduren im Krankenhaus, die Behördengänge, die Beerdigung von Gustav Tian Ming. Er ist beeindruckt, wie Federer die verschiedenen "Realitätsstränge" kreuzt und die Handlung mit der Reflexion des Schriftsteller-Erzählers über das Schreiben verwebt, um dem Schmerz beizukommen. Kraftvoll sind die Sätze, die Federer oft mit "Ich sage" oder "Charlotte schreibt" einleitet, so der Kritiker, die Empathie aller auftretenden Figuren spendet ihm Trost - ein Buch, das auf ergreifende Weise die Erinnerung wachhält, resümiert er.

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