Aus dem Koreanischen von Hanju Yang, Heiner Feldhoff und Gerda Kneifel. Überraschende Einblicke in die Moderne Ostasiens. Yisang, der als bedeutendster Schriftsteller des frühen 20. Jahrhunderts in Korea gilt und Namensgeber des wichtigsten koreanischen Literaturpreises ist, enthüllt in seinen Erzählungen seine eigenen, damals als skandalös empfundenen Lebensumstände, seine von Eifersucht und nüchterner Analyse bestimmte Abhängigkeit von einer Prostituierten. Erotik und Lebensmüdigkeit sind die großen Motive im Werk des frühverstorbenen Autors, und diese Themenkomplexe sind eingebettet in die spezielle Erfahrung eines Landes, das unter kolonialer Besatzung steht und dessen Gesellschaft zugleich den entscheidenden Wandel in die Moderne durchmacht. Die dadurch ausgelösten Leidenschaften, die Brüche, Unsicherheiten und neuen Freiheiten spürt Yisang mit seismographischer Empfindsamkeit in seinen Figuren auf, die zwischen ihrem Begehren und den ökonomischen Bedingungen nach ihrer Identität suchen. Die Bezugspunkte Yisangs sind Japan und die westliche Moderne, und das trifft im Besonderen auf seine stilistischen Techniken zu.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2014
Leblosigkeit bei maximaler Lebendigkeit prägt laut Mark Siemons die erstmals auf Deutsch zu lesenden Erzählungen des koreanischen Schriftstellers und Dandys Yisang. Müdigkeit ist ein Motiv, meint Siemons, Atemlosigkeit aber steckt für ihn im fragmentarischen, offenen Stil der Texte. Eine Entdeckung ist der Autor, der im Band mit biografischen Angaben und Fotos vorgestellt wird, für den Rezensenten jedoch vor allem wegen seiner Ironie im Umgang mit der eigenen, in den Texten aufblitzenden Biografie und den fließenden Übergängen zwischen letzterer und der Fiktion. Auch wenn das Personal und die Situationen in den Texten häufig bloß aus Zitaten zusammengesetzt sind, ergeben sie für Siemons aufregende Lektüre.
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