Yuri Herrera

Der König, die Sonne, der Tod

Mexikanische Trilogie
Cover: Der König, die Sonne, der Tod
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2014
ISBN 9783100022554
Gebunden, 352 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Susanne Lange. Die mexikanische Wirklichkeit, die wir aus den Nachrichten kennen - die Welt der Drogenkartelle, der sinnlosen Gewalt, der illegalen Einwanderer in den USA -, ist der Bodensatz, auf dem Yuri Herrera seine Geschichten ansiedelt. Auf berückende Weise gelingt es ihm, von Figuren zu erzählen, die sich in dieser Wirklichkeit bewegen und zugleich über ihr zu schweben scheinen - wie El Lobo, der die Tochter des Drogenbosses liebt; wie Makina, die auszieht, die Grenze zu queren; wie Alfaki, der nicht anders kann, als den Dreck wegzumachen. Es sind Erzählungen aus dem Inneren eines Landes, die sich weiten zur großen Erzählung über das Innerste unserer Welt.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 03.01.2015

Yuri Herreras mexikanische Trilogie schillert für Maike Albath in allen Farben der Gewalt, aber auch des Märchens und der poetischen Bildlichkeit. Das ist ein Glück für die Rezensentin, denn bei allem Foltern, Prügeln und Morden in den hier erstmals auf Deutsch veröffentlichten drei Kurzromanen kann Albath kaum Atem schöpfen. Die hochliterarische Annäherung Herreras an seine Heimat Mexiko aber schafft Raum, meint sie, den steten Kampf der Figuren in den sich zum Triptychon fügenden Texten zu ertragen. Stilistisch aus dem Fundus der Fabeln und aztekischen Märchen schöpfend, in stark rhythmisierter Sprache, metaphernsatt, erklärt Albath den Reiz des Buches, schafft der Autor einen Kontrast zu den kruden Ereignissen im Buch.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.12.2014

"Yuri Herrera also: Diesen Namen muss man sich merken", ruft Rezensentin Katharina Döbler am Ende ihrer sehr wohlwollenden Kritik dieses Romans, den sie als eine künstlerisch hoch raffinierte Reflexion über das gegenwärtige Gewaltpanorama in Mexiko schildert. Der Roman zerfällt in drei Novellen, erläutert sie, alle drei spiegeln neben ihrer Mafia-, Gewalt- und Grenzthematik künstlerische Genres wider, die mit Mexiko verknüpft sind: der magische Realismus etwa, der in Juan Rulfo einen mexikanischen Repräsentanten hatte, die "Narco-Balladen", mit denen sich Drogenbosse feiern lassen und aztekische Mythen. Ob diese Novellen verknüpft sind, verrät die Rezensentin nicht, wohl aber, wie sehr vor allem die präzise Schilderung von Räumen und Stimmungen in diesem Roman sie gefesselt hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2014

Mit der überragenden Romantrilogie "Der König, die Sonne, der Tod" ist der mexikanische Autor Yuri Herrera nun auch hierzulande zu entdecken, jubelt Rezensent Florian Borchmeyer. Er liest in den drei einst unabhängig voneinander angelegten Kurzromanen zunächst die Geschichte des Narcocorrido-Sängers Lobo, der in den Krieg von Drogenkartellen gerät, folgt darauf der illegal in die Vereinigten Staaten eingereisten Makina, die den Rio Grande durchschwimmt und gerät schließlich in eine nach einer Denguefieber-Welle von Gewalt und Einsamkeit heimgesuchte Großstadt. Fasziniert vermerkt der Rezensent, dass Herrera seine Geschichten nicht herkömmlich popliterarisch erzählt, sondern meisterhaft mit verschiedenen Genres, etwa dem Roman noir oder dem Märchen der deutschen Romantik spielt. Darüber hinaus lobt Borchmeyer Herreras Verzicht auf drastische Effekte und "Elendspornografie" und lässt sich von diesem brillanten Werk umso lieber in den Bann ziehen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.09.2014

Eberhard Geisler lobt den Zugriff des Autors auf die Gegenwart. Wenn Yuri Herrera, anders als andere mexikanische Autoren, sich nicht mit der Vergangenheit seines Landes auseinandersetzt, sondern in den hier in einem Band versammelten drei schmalen Romanen den Augenblick erfasst, der auf seinen Figuren lastet, begreift Geisler das als bemerkenswertes Schreibexperiment. Wie hart sich das Leben im mexikanischen Grenzland gestaltet, wie Moskitos eine Epidemie verursachen und die Gewalt die Gesellschaft im Griff hat, erfährt der Rezensent hier anhand der nüchternen Schilderungen des Autors. Dass Herrera sich seiner Mittel bewusst ist, wie Geisler schreibt, dass er die Sprache nutzt, um seinen Figuren unmittelbar zu folgen und seinem Stoff gerecht zu werden, trägt für den Rezensenten ganz entscheidend zum ausdrücklich nachhaltigen Genuss der Lektüre bei.
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