Aus dem Persischen von Susanne Baghestani. "Wer hatte denn bis heute etwas nur für mich getan? Was habe ich mit meinen 38 Jahren ausschließlich für mich getan?" fragt sich Clarisse in einem der kostbaren Augenblicke, die sie für sich allein hat. Seit 17 Jahren lebt die Teheranerin in Abadan in der Nähe des Persischen Golfs. Ihr Mann, dessen Herz links schlägt, ist Erdölingenieur. Die Familie, Kinder und Haushalt "fressen sie auf". Da bleibt keine Zeit für eigene Wünsche, für Gedanken an Liebe. Das ändert sich, als im Haus gegenüber Emil Simonian, verwitwet, mit Mutter und Töchterchen einzieht. Ein Mann, scheint es, der zuhört, der hilft, der die Poesie liebt wie sie. Bald setzt ein reger, wenn auch nicht störungsfreier Austausch zwischen den beiden Familien ein, Clarisse und Emil kommen sich näher. Aber bevor sie sich irgendwelche Hoffnungen machen kann, hat Emil sich in eine Jüngere verliebt und Clarisse zur "guten Kameradin" erklärt. Nicht zum ersten Mal zieht Emils Mutter die Notbremse.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2006
Auf den ersten Blick scheine der Roman der Iranerin Zoya Pirzard, der in den sechziger Jahren in der Stadt Abadan spielt und aus der Sicht einer Mutter und Ehefrau erzählt wird, sämtliche Erwartungen eines Frauenschicksals zu erfüllen, meint Angela Schader. Aber gerade diese vermeintliche Leichtigkeit verhülle eine Substanz, die sich in Nebensätzen und Seitenblicken manifestiert und die Rezensentin immer wieder innehalten lässt. Die Protagonistin Clarisse, perfekte Gattin und Gastgeberin, profitiert mit ihrer Familie vom Aufschwung, den das Öl in die Stadt gebracht hat und beginnt sich bald in ihrer Ehe zu langweilen. Das ändert sich mit dem neuen Nachbarn Emil. Die Rezensentin schätzt den "Charme" aus Andeutungen und Unterlassungen, die den Roman so schwerelos machen, ohne dabei noch die kleinsten Gefühlsregungen künstlich aufzubauschen.
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