Carl Zuckmayer gehörte zu den erfolgreichsten Autoren der Literatur-, Theater- und Filmgeschichte des 20. Jahrhunderts. Das 1998 gegründete "Zuckmayer-Jahrbuch" dient zur Dokumentation bislang unveröffentlichter Quellen und als Forum für wissenschaftliche Studien. Schwerpunkt des fünften Bandes ist der erstmals veröffentlichte "Geheimreport", dem sich ausgewiesene Kenner der deutschen Kulturszene des "Dritten Reichs" widmen. Der "Geheimreport" gehört ohne Frage zu den spannendsten Dokumenten des deutschen Exils in den USA.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.12.2002
Das jüngste Zuckmayer-Jahrbuch zeige beispielhaft, wie gewinnbringend die Beschäftigung mit einem eher mittelmäßigen Schriftsteller sein kann, schreibt Joachim Kalka begeistert, der Zuckmayers Bedeutung eher im Zeitgeschichtlich-Publizistischen angesiedelt sieht. Die meisten Beiträge tragen zur Erhellung des Hintergrundes des im vergangenen Jahr erschienenen "Zuckmayer-Geheimreports" bei, der Zuckmayers Einschätzungen von in Deutschland verbliebenen deutschen Künstlern während der Nazizeit enthält. Zuckmayer notierte sie für den amerikanischen Geheimdienst, wobei sich Privates und Politisches zwangsläufig mischte. So erhellen einzelne Fallstudien, berichtet Kalka, wo Zuckmayer zu milde und wann er zu scharf urteilte; alles in allem, lautet sein Resümee der verschiedenen Beiträge, entsprachen Zuckmayers Einschätzungen der Realität. Dagmar Barnow behauptet laut Kalka sogar, Zuckmayer habe, was die Grauzone persönlicher Schwächen und des Opportunismus angeht, oft richtiger gelegen als eine dem Täter-Opfer-Schema folgende Pauschalverurteilung; dass Barnow diese Bewertung unmittelbar auf die Bubis-Walser-Debatte überträgt, hält Kalka allerdings für falsch.
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