Zülfü Livaneli

Serenade für Nadja

Roman
Cover: Serenade für Nadja
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2013
ISBN 9783608939637
Gebunden, 335 Seiten, 21,95 EUR

Klappentext

Aus dem Türkischen von Gerhard Meier. Ein 87-jähriger Mann spielt am Ufer des Schwarzen Meers bis zu seinem Zusammenbruch Geige. Er tut dies zum Gedenken an seine jüdische Geliebte Nadja, die auf der Flucht vor den Nazis dort ertrank. Maya, eine junge Türkin von heute, kommt von dem tragischen Schicksal der beiden nicht los. Und liest aus den Parallelen den Auftrag heraus, in ihrem eigenen Leben noch einmal ganz neu zu beginnen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.05.2013

Achim Engelberg hat den türkischen Autor Zülfü Livaneli in Istanbul getroffen und geht in seinem Artikel auch ausführlich auf dessen neuen Roman "Serenade für Nadja" ein. Zum Hintergrund hat er ein "jahrzehtelang schamvoll verschwiegenes Ereignis", den Tod von 672 jüdischen Flüchtlingen, die von den Türken im Jahr 1942 nicht ins Land und von den Briten nicht nach Palästina gelassen wurden und deren Schiff am Ende von einem sowjetischen Torpedo versenkt wurde - alle Flüchtlinge sind ertrunken. Der Roman, so Engelberg, verbindet verschiedene Stränge, auch die Minderheiten der Armenier und Krim-Tataren spielen eine Rolle: sämtlich Themen, mit denen Livaneli heiße Eisen in der Türkei anrührt. Besonders hebt Engelberg an dem Roman hervor, dass der Rückblick auf das lange Verschwiegene zugleich auch Klarheit über heutige Probleme der Türkei bringt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.05.2013

"Nichts [sic] weniger als eine türkische Ringparabel" hat sich Zülfü Livaneli mit seinem Roman "Serenade für Nadja" vorgenommen, stellt Astrid Kaminski gleich zu Beginn ihrer Rezension beeindruckt fest. Tatsächlich gelinge es dem Autor, in seiner Geschichte um das Schicksal jüdischer Flühtlinge auf dem von einem russischen Torpedo vor Istanbul versenkten Frachtschiff "Struma" auch das Unrecht an zwei weiteren ethnisch-religiösen Gruppen in den Blick zu nehmen, nämlich das an den türkischarmenischen Christen und vor allem das noch wenig bekannte an den muslimischen Krimtataren. Darüber, wie erfolgreich Livaneli sein ambitioniertes Vorhaben letztlich umgesetzt hat, verrät die Rezensentin nicht viel, außer, dass die Lektüre zwar "zuweilen recht didaktisch" daherkommt, aber doch spannend ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.04.2013

Kein historischer Roman sei das und schon gar kein "als Erzählung kaschiertes Geschichtsbuch", stellt Christiane Schlötzer erleichtert fest; Zülfü Livanelis "Serenade für Nadja" lese sich vielmehr wie ein spannender Krimi. Dabei liegt der Handlung durchaus eine historische Begebenheit zugrunde, der Untergang des Schiffes Struma im Jahr 1942, bei dem 762 jüdische Flüchtlinge und die Besatzung im Bosporus ertranken - noch heute ein nationales Trauma, weiß die Rezensentin, und als solches ein geeigneter Stoff für Livaneli, der mit Vorliebe türkische Tabuthemen aufgreift. Zwar lässt der Autor etwa mit Angelo Roncalli oder Herbert Scurla historische Figuren auftreten, doch schätzt Schlötzer an dem Roman besonders, dass er "die Vergangenheit nutzt, um von der türkischen Gegenwart zu erzählen", von der ethinischen Vermischung oder dem schwierigen Umgang mit der Vergangenheit. Ein ausdrückliches Lob gilt überdies der "einfühlsamen Übersetzung" durch Gerhard Meier.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2013

Dass Wunden der Vergangenheit in der Türkei "nicht aufgearbeitet" werden, wie Karen Krüger etwas unglücklich formuliert, kann die Rezensentin in diesem Roman von Zülfü Livaneli erkennen. Die Geschichte spielt vor allem in der Zeit zwischen 1933 und 1945, aber auch an der jüngeren Vergangenheit bzw. der Gegenwart. Krüger rührt besonders das Kapitel über die aus Nazideutschland in die Türkei emigrierten und dort gleichfalls von SA und SS verfolgten Wissenschaftler, ein Thema, das bisher kaum Beachtung fand, meint sie. Dass Livaneli es spannend wie einen Thriller inszeniert, aber auch umfangreiche Recherchen einfließen lässt, etwa indem er authentische Figuren wie Erich Auerbach oder den Gestapo-Mann Herbert Scurla auftreten lässt, macht den Roman für die Rezensentin zu einem großartigen Buch.
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