Zülfü Livaneli

Unruhe

Roman
Cover: Unruhe
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2018
ISBN 9783608962673
Gebunden, 168 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Türkischen von Gerhard Meier. Als Ibrahim, der in Istanbul ein geschäftiges aber gewöhnliches Leben führt, vom Tod seines Jugendfreundes Hüseyin erfährt, kehrt er zum ersten Mal seit vielen Jahren in ihre gemeinsame Heimatstadt Mardin zurück. Auf den Spuren des Freundes erfährt er von dessen geheimnisvoller Verlobten Meleknaz. Fasziniert von den Berichten über die junge Jesidin taucht er ein in die Mythen und Überlieferungen ihrer Kultur und trifft auf eine Gruppe von Frauen, die aus der Gefangenschaft des IS fliehen konnten. Zülfü Livaneli konfrontiert den Leser mit einer emotionalen und hochaktuellen Geschichte nahöstlicher Realität, in der Liebe und Schmerz ineinander übergehen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.08.2018

Thomas Steinfeld weiß, dass Zülfü Livaneli zu den beliebtesten Künstlern der Türkei gehört. Als Allround-Talent arbeitet er als Musiker, Regisseur und Schriftsteller. Doch Livanelis neuesten Roman brandmarkt Steinfeld gnadenlos als "infamen Kitsch". Der Rezensent verübelt ihm vor allem die unverhältnismäßig starke, parabelhaft vermittelte Botschaft, hinter der die Handlung zurücktritt. Indem der Autor das Schicksal der Jesiden im Zentrum seines Textes behandelt und ihren Glauben preist, macht er sich in Steinfelds Augen zum Propagandisten einer "Selbst-Orientalisierung", die dem Fundamentalismus des radikalen Islam nicht fernstehe. Dass Steinfeld nicht weiß, an wen genau sich Livanelis Appell richtet, macht die Lektüre für ihn nicht angenehmer.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.07.2018

Katharina Granzin hat Respekt für Zülfü Livanelis "skrupulösen" Versuch, sich dem Massenmord des IS an den Jesiden anzunähern. Wie der Autor und sein Erzähler, ein aufstrebender türkischer Journalist, anhand der Suche nach einer jungen jesidischen Frau die Geschichte der Jesiden und ihrer Verfolgung erzählen, scheint Granzin so heikel wie gelungen. Dass der Text nicht zur kulturellen Aneignung oder zur "Gewaltpornografie" wird, gelingt dem Autor laut Granzin durch den Sachlichkeit bewirkenden Wechsel der Erzählerstimmen im Buch und die Abwesenheit der zentralen Figur der jungen Frau. Die geschilderten extremen Erlebnisse werden so überhaupt annähernd erträglich für den Leser und der Roman wird wahrhaftig, meint Granzin.
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