Lachen kann, wer Zähne hat
Roman

Friedenauer Presse, Berlin 2025
ISBN
9783751880466
Gebunden, 252 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Polnischen von Lisa Palmes. Die Herrenfriseurin Wera hat ein Problem: Ihr Mann, Jockey, ist tot. Jetzt muss sie sich um die Beerdigung kümmern. Es fehlt ihr an allem, doch besonders das Wichtigste muss sie auftreiben: Schuhe für den Sarg. Also macht Wera sich auf den Weg zu alten Kunden und Bekannten, zu Weg-gefährten und verflossenen Liebschaften. Sie durchstreift die ganze Halbwelt der Stadt - und damit ihr vergangenes Leben. So wie sie sich all die Jahre durchgeschlagen hat, kommt sie auch jetzt an ihr Ziel: mit Friseurinnenschläue und einem losen Mundwerk. Wir begegnen einer Frau, die alles gesehen hat. Und unter deren Schlagfertigkeit sich die Trauer versteckt. Mit Wera hat Zyta Rudzka eine trotzige Lebenskünstlerin geschaffen: Weder Armut noch Schicksalsschlag brechen ihren Willen. Dem Unglück begegnet sie mit scharfer Zunge, und auch in der Liebe fehlen ihr nie die Worte.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 17.01.2026
Zyta Rudzkas Protagonistin Wera ist ziemlich lustig und hat Spaß daran, ihre Geschichte zu erzählen, hält Rezensent Jörg Plath fest: Ihr Mann ist gerade gestorben, aber wirklich traurig sei sie eigentlich nicht. Die Beziehung zu ihrem Mann, den sie jetzt unter die Erde bringen muss, habe eher aus Sex denn aus Gesprächen bestanden, denn so eine Ehe "ist ja kein Kulturzentrum", wie Wera behaupte. Die Figuren bleiben naturgemäß recht karikaturistisch und scherenschnittartig, warnt Plath, aber er hat sich alles in allem trotzdem ganz gut amüsiert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.01.2026
Nach der Lektüre dieses tragikomischen Romans kann Rezensent Jan Koneffke seine monatelange Stellung auf polnischen Bestsellerlisten und die Preisverleihung des wichtigsten, polnischen Literaturpreises gut nachvollziehen. Er erzählt von Wera, einer Herrenfriseurin, die den Tod und die folgenden Erledigungen der Totenweihe bewältigen muss, lässt uns der Kritiker wissen. Von einer konventionellen Handlung ließe sich hierbei aber nicht reden, vielmehr hangele sich der Text von skurriler Beobachtung zu derb-witzigem Dialog. Angetrieben wird er vom lebensweisen, inneren Monolog Weras, die durch ihre Bisexualität, Religionszweifel und Bereitschaft, alles Störende mit einem flotten Spruch abzufertigen sicherlich auch als Provokationsfigur angesehen werden kann, vermutet Koneffke. Doch in dieser Schlagbereitschaft sieht der Rezensent vor allem eine Bewältigungsstrategie für die Trauer und das nun veränderte Leben Weras, wobei der Roman diese Melancholie nur in hintergründigen Erinnerungsfetzen einwebt. Letztlich versteckt sich hinter dieser sprachgewaltigen und herausragend übersetzten Müdigkeit eine immense Lebenslust und eine unvergessliche Protagonistin, deren Bekanntschaft der Kritiker nur jeder Person empfehlen kann.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 15.11.2025
Eindrücklich und provokant findet Rezensent Tino Schlench Wera, die Protagonistin von Zyta Rudzkas Roman, die es nicht unbedingt einfach hat: Gerade ist ihr Mann Karol gestorben, den alle nur Jockey genannt haben, sie muss sich jetzt um seine Beerdigung kümmern. Ihren Friseursalon hat sie längst verloren, Kontakt zu Freunden besteht kaum noch, so Schlench, ihm zufolge passiert handlungstechnisch nicht so viel, es ist die Sprache, die ihn überzeugt. Zwischen Derbheit und überraschenden Sprachbildern schwanke Rudzka. Der Kritiker lobt auch die große Übersetzungsleistung von Lisa Palmes.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2025
Rezensentin Marta Kijowska taucht mit Zyta Rudzkas neuem Roman in das Leben der Herrenfriseurin Wera ein: Sie hat ihren Job verloren, ihren Mann auch, er ist gestorben und jetzt muss sie irgendwie ohne Geld Schuhe für ihn auftreiben. Das ist der Auftakt für eine ganze Reihe an Besorgungen, für die Wera durch die Stadt streift, von Rudzka "zynisch, vulgär und gierig" geschildert, Kijowska ist ganz gefesselt von der eigenwilligen, manchmal verwirrende Lücken lassenden Weise, in der sie schreibt. Die unkonventionelle Heldin ist eine Frau, die keinen hohen Stand in der Gesellschaft einnimmt, erfahren wir, die ihr eigenes Ding ohne Hemmungen durchzieht,. "Köstlich", findet die Rezensentin, wie sie ihre Sexualität kompromisslos auslebt und eine witz- und anspielungsreiche Sprache dafür findet. Bei aller Lust am Erzählen blitzt aber auch die Tragik immer wieder durch: Etwa wenn Weras früherer Friseurladen zur Zahnarztpraxis wird, die mit dem perfiden Motto wirbt "Lachen kann, wer Zähne hat." Kijowska jedenfalls ist überzeugt von der Wucht dieses Buches.