Gerti Tetzner

Karen W.

Roman
Cover: Karen W.
Aufbau Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783351042646
Gebunden, 398 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

"Wohin treibst Du? Weißt Du, was Du riskierst?" Karen verlässt die Stadt, in die sie einst voller Hoffnungen und Träume gekommen ist. Und sie verlässt Peters, ihre große Liebe, mit dem sie zuletzt eher nebeneinanderher als zusammengelebt hat. Mit Tochter Bettina fährt sie zurück in das thüringische Dorf, aus dessen Enge sie vor zwölf Jahren geflohen ist. Was hofft sie hier zu finden? Riskiert sie zu viel auf ihrer Suche? Doch für Karen steht fest: Sie muss den Schritt ins Ungewisse, Offene wagen, will sie wirklich leben. Ein Roman, der durch die DDR-Zensur in Vergessenheit geriet - die Wiederentdeckung einer beeindruckenden Autorin und Zeitzeugin, die zu Christa Wolfs sogenannter "Weiberrunde" gehörte. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2026

Einen ganz ungewöhnlichen Roman aus der DDR kann Kritikerin Katharina Teutsch mit Gerti Tetzner wiederentdecken: Einer, der die Schwierigkeiten des Landes benennt, ohne auch nur einen einzigen Blick auf den Westen zu werfen. Tetzners Protagonistin Karin ist eine junge Frau, die mit ihrem Freund und der gemeinsamen Tochter in einer Universitätsstadt lebt, sie arbeitet als Notarin und ist mit ihrer Situation unzufrieden, lesen wir. Teutsch erinnert das Buch an Godards Film "Le Mépris", der ähnliche Enttäuschungen behandelt, Karin geht zurück in ihr Dorf, hadert dort weiter mit sich, dem Staat, wie auch die Autorin, ohne jedoch den Westen in Betracht zu ziehen. Der als "Poetik der Andeutungen" verfasste Roman hat der Rezensentin eine neue Facette der DDR und ihrer Literatur eröffnet.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 21.11.2025

Rezensentin Nora Karches empfiehlt Gerti Tetzners Roman von 1974. Nicht nur gelingt es der Autorin laut Karches, mit Karen W. eine starke Frauenfigur zu erschaffen, die aus ihrer langjährigen Partnerbeziehung ausbricht, der Roman erzählt zugleich von einer Krise der Sprache und von der gesellschaftspolitischen Situation in der DDR zu jener Zeit, findet Karches. Dass ihr Mann für Karen W. vor allem seiner Anpassungsbereitschaft wegen fragwürdig geworden ist, findet Karches bemerkenswert. Besonders erscheint ihr auch, dass die Autorin nicht ideologisch argumentiert, sondern persönlich und fragend. Das macht den Text auch heute noch gewinnbringend lesbar, meint sie, auch wenn der Roman erzählerische Längen hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.09.2025

Außerordentlich lohnende Lektüre, meint Rezensentin Cornelia Geißler über Gerti Tetzners ursprünglich 1974 in der DDR erschienenen Selbstermächtigungs-Roman über Karen Waldau, eine Frau, die nach einer unglücklichen Ehe ihren Mann verlässt und mit ihrer Tochter Bettina ins ländliche Dorf Osthausen zieht. Der aufgrund des 80. Verlagsjubiläums neu aufgelegte Text ist für Geißler kein bloßes Vergangenheitsdokument; seine Fragen rund um die Schwierigkeiten eines selbstbestimmten, neuen Lebensanfangs bleiben aktuell. In den damit verbundenen Hürden, die die Figur Karen überwinden muss, sieht Geißler autobiografische Parallelen zum Leben Tetzners, die eigentlich Jura studierte und als Notarin arbeitete, bevor sie sich gänzlich dem Schreiben widmete und unter anderem mit Gegenwartsautorinnen wie Christa Wolf Kontakt aufbaute. Demnach gibt es auch Echos von Wolf, die Geißler in Tetzners skeptischem Ton zu hören glaubt. Begeistert ist sie von Tetzners erzählerischen Eigenheiten, der Natürlichkeit, mit der sie etwa Karens Wiederbegegnung mit einer Jugendliebe beschreibt oder die belebte Eigenständigkeit, die sie Karens junger Tochter verleiht. Dass der Text nie beurteilt, ob Karens Entscheidung die richtige war, findet Geißler konsequent und zeitlos. 

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.08.2025

Rezensent Volker Weidermann freut sich, dass mit der Neuauflage von Gerti Tetzners 1974 in der DDR erschienenem Roman eine Lücke in der Literaturgeschichte geschlossen wird und für die heute 88-jährige Tetzner vielleicht ein zweites Schriftstellerinnen-Leben beginnt, nachdem sie aus politischen und persönlichen Gründen mit dem Schreiben aufgehört hatte. Das Buch nennt Weidermann einen Roman des Aufbruchs. Eine junge Frau bricht aus zu eng empfundenen Familienverhältnissen aus, um selbstbestimmt zu leben. Wie die Autorin das beschreibt, akribisch und empathisch, gefällt Weidermann gut. Es ist "kein verzagtes Buch", versichert der aufgemunterte Rezensent.

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