Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.12.2015 - Design


Konstantin Grcic, chair_ONE, Magis, 2004. Foto: Gerhardt Kellermann © Konstantin Grcic

Wer wissen möchte, wie Konstantin Grcics "Chair One" zur Designikone wurde, wird in der Ausstellung "Konstantin Grcic. The Good, The Bad, The Ugly" in der Münchner Pinakothek der Moderne nicht schlauer, ärgert sich Sandra Hofmeister in der NZZ. An den 27 Modellen aus dem Entwurfsprozess "lässt sich teilweise erahnen, wie der Designer und sein Team im Entwurfsprozess mit Fragen des Materials rangen oder mit der Konstruktion experimentierten, bis sie das räumliche Volumen der gitterartigen Sitzschale in den Griff bekamen. Doch dieser Prozess der Annäherung an das fertige Produkt lässt sich nur erahnen. Denn die Ausstellung erklärt ihn nicht, sondern stilisiert stattdessen einzelne Stationen aus der Phase von Entwurf und Entwicklung des Stuhls zu Kunstobjekten, die ohne Kontext für sich sprechen sollen."

Für die SZ bespricht Thomas Steinfeld die Ausstellung "Una dolce vita? Da Liberty al design italiano, 1900 - 1940" in Rom.
Stichwörter: Chair One, Grcic, Konstantin

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.12.2015 - Design

Im New Yorker porträtiert Judith Thurman die adlige Pariser Stilikone und Designerin Jacqueline de Ribes, der das Costume Institute of the Metropolitan Museum gerade eine Ausstellung widmet. Zur Eröffnung wollte die heute 86-Jährige nicht kommen, erzählt sie Thurman am Telefon: "Only a few days had passed since the terrorist attacks, and like most of her compatriots she was in mourning. She was also wary of the flashbulbs, the fuss, the apotheosis - 'the display of ego.' Dressing was her performance art, and like any virtuoso she knew what feats she could risk without risking self-exposure. I asked de Ribes how her style had evolved. 'Very slowly,' she replied. 'Style is innate, while confidence isn't.'" (Bild: Jacqueline de Ribes in ihrem eigenen Design, Foto © Victor Skrebneski, Skrebneski Photograph, 1983)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.11.2015 - Design

Laut Tazlerin Brigitte Werneburg, die einige neue Publikationen zum Thema gelesen hat, formiert sich in den Geisteswissenschaften derzeit eine Modewissenschaft.
Stichwörter: Mode, Geisteswissenschaften

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.11.2015 - Design

Im Blog der NYRB singt Martin Filler ein Loblied auf den Designer Peter Müller-Munk, dem das Carnegie Museum of Art in Pittsburgh derzeit eine Ausstellung widmet. Müller-Munk war 1904 in Deutschland geboren worden und emigrierte 1926 in die USA: "Confidently presenting himself at Tiffany & Co. in New York, Muller-Munk was hired for the firm's silver workshop on the spot, but grew bored with routine tasks and quit within a year. His father's backing allowed him to open an atelier in Greenwich Village, where he designed and executed hand-wrought silver bowls, boxes, coffee services, and the like. The New York Times praised them as 'highly individual and, while modern, not extreme or…bizarre,' while The New Yorker mentioned him in the same breath with the renowned Georg Jensen (nearly four decades his senior) as 'two silversmiths worth remembering.'" (Bild: Kanne Normandy, entworfen von Peter Müller-Munk für Revere Copper and Brass, 1935; Carnegie Museum of Art)

In der Apéritif-Ausstellung des Max Museo in Chiasso lernt Roman Hollenstein (NZZ), warum man heute kaum noch Campari zum Apero trinkt: "Ein Grund für das schleichende Verschwinden von Bittergetränken wie Averna, Cynar, Fernet-Branca oder Ramazzotti aus unserem Gedächtnis mag sein, dass für sie nicht mehr wie einst mit elektrisierenden Plakaten, sondern höchstens noch mit knallig-platten Fotos oder Firmenkalendern Werbung gemacht wird."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.11.2015 - Design

Für die taz bespricht Brigitte Werneburg Marieluise Fleißers ursprünglich 1942 angefertigte, postum im Nachlass entdeckte Kinder-Bilderbuch "Im Wirtshaus ist heut Maskenball", in dem die Autorin ihrer Modeleidenschaft freien Lauf ließ: "Das mit sichtlicher Hingabe gefertigte Heft (...) besteht aus sorgfältig aus Modemagazinen ausgeschnittenen Figurinen, fotografierten wie gezeichneten, denen Fleißer kleine lustige Verse wie 'die beiden wollen gleich ins Wasser, sie ziehn sich aus, dann ist es nasser' zur Seite stellte. Literarisch im engeren Sinn ist dieser faszinierende Fund nicht. Und doch ist die Frage von Glamour und der 'herrlichen Kleider' ein bestimmendes Moment im literarischen Werk Fleißers."

Für den Tagesspiegel liest Meike Fessmann Bücher über Mode und weibliche Identität. Und beim MDR kann man sich Jörg Wunderlichs einstündiges Feature "Grau - Siegeszug einer Nichtfarbe" anhören.



Wir wissen nur selten, was die Zukunft bringen wird. Bei Fahrrädern gibt es immerhin einen kleinen Ausblick, wie uns das Blog 10 amazing verrät, das zehn neue Fahrraddesigns vorstellt. Zum Beispiel dieses T-bike von Jung Geun Tak & Shinhyun Kang / T.A.K studio: "This futuristic bicycle looks pretty amazing to us. Just the design of this bike makes it very appealing, it's sleek, minimalist and functional. The T-bike has some cool tech specs too. The handlebars of the bicycle are fordable which makes it easier to take it with you on public transport or park it small spaces, and they also work as a lock." Oh, und es hat GPS. Sehr praktisch, wenn man nicht mehr weiß, wo man es abgestellt hat.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.11.2015 - Design

Unter dem Titel "Gretchen mag's mondän" zeigt das Münchner Stadtmuseum deutsche Damenmode der Dreißigerjahre. Ihre ideale Trägerin musste ein Chamäleon sein, stellt Karin Leydecker in der NZZ fest: "Vier- oder fünfmal am Tag sollte sie - je nach Anlass und Aktivität - ihre Garderobe wechseln. Auf 'Pantöffelchen und Schlafrock' folgten 'Sportdress' und 'Laufkleid', dann das 'Komplet' oder das elegante Nachmittagskleid mit Pelz, schließlich die große Robe bis hin zum raffinierten 'Tagesendkleid' und dem Seidennégligé. Sich immer neu erfinden vom sportlichen Kumpel bis zur Femme fatale war eine anstrengende und teure Angelegenheit. Aber vor allem war es ein cleveres Spiel mit den Metaphern der feudalen Welt: reich und schön und Hauptsache blond mit Wasserwelle." (Foto: Hosenmode, aus der Zeitschrift Das Magazin, 1931)
Stichwörter: Damenmode, Drittes Reich, Pelz, 1930er

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.11.2015 - Design

In der taz denkt Elisabeth Wagner darüber nach, warum ausgerechnet die Strickjacke, "fashion's sad sack", wieder in Mode ist. Ihr Fazit: "Wunderbar mehrdeutig kann die Strickjacke sein. Sie kann grau und langweilig, genauso gut kann sie ins Gegenteil chan­gieren. Die Außengrenzen der Identität belässt sie als Provisorium. Sie panzert nicht. Sie ist keine Uniform. Die Soldaten des 19. Jahrhunderts trugen sie unter derselben. Junge Geschäftsleute kombinieren sie mit Anzug. So, als wollten sie die Glätte der Oberfläche aufrauen und, bewusst oder unbewusst, das Bild der eigenen Businesshaftigkeit souverän unvollendet lassen. Die Strickjacke bietet diesen Zwischenraum. ... Die Mode liebt die Ironie, so heißt es. In diesem Sinne ist die Strickjacke eine heimliche Meisterin."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.11.2015 - Design

Wer noch ein sündhaft teures Weihnachtsgeschenk sucht, wird vielleicht bei Hermes fündig. Der Tuch- und Sattelhersteller bietet einen Roland-Barthes-Schal an, mit dem grafischen Schriftbild der "Fragmente einer Sprache der Liebe" als Muster. Daniel Haas ist dem Teil in der Zeit sofort erlegen. Nicht, dass er einen frivolen Hang zum Luxus hätte: "Texte sind bekanntlich nichts als Gewebe, gesponnen aus dem Garn der Signifikanten." (Bild: Studio Philippe Apeloig / Hermes)

Der Grafiker Philippe Apeloig, der das Design des Schals entworfen hat, erklärt Rebecca Voight von der Zeitschrift W: "...my first idea was to use typography, but that was too obvious. Finally I blacked out all the text, turned the words into graphic blocks, and reproduced each page in its original order like a mosaic.' The result, a graphic overview of 'Fragments,' resembles a musical score, a piece of morse code, hieroglyphics and a diagram of digital circuitry."
Stichwörter: Barthes, Roland, Hermes, Luxus

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.09.2015 - Design

Mit einer ganzen Seite würdigt das SZ-Feuilleton das Design made in DDR: Jens Bisky preist die schlichte Funktionalität des DDR-Designs und den darin schlummernden Fortschrittsglauben: "Man schätzt solche Produkte richtig erst in einer Umwelt, der auch das Einfachste nicht selbstverständlich, sondern aufdringlich besonders sein will. Die schönsten Beispiele des DDR-Designs erinnern heute an eine Moderne, die an Wohlstand, Schönheit, Sauberkeit durch Naturbeherrschung glaubte: Nostalgie für Fortschrittsfreunde."

Laura Weißmüller spricht mit dem Sammler Günter Höhne, der ein Loblied auf die Robustheit der damaligen Produkte singt. Sollbruchstellen habe es in der Planwirtschaft nämlich keine gegeben: "Wer sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt, der stößt automatisch auf DDR-Design." Und Kathleen Hildebrand erinnert an den Designer Franz Ehrlich.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.09.2015 - Design

"Die weibliche Kleidung hat eine Tendenz zur Päderastie", notiert Hannelore Schlaffer in der NZZ. Und sie ist, wie das modische weibliche Tattoo, fast immer von Männern abgeguckt. "Was anderes wären Hose, Hosenanzug, Turnschuh, ja selbst der flache Bauch als ein Zitat. Die Revolution leitete Coco Chanel nach 1910 ein. Sie ist (nach ein paar am Hof beschäftigten Schneiderinnen) die erste Frau, die Mode kreiert. Mit Hemdbluse, Hose, Bubikragen und Bubikopf machte sie die Frau zur Knäbin. Seitdem war die Entwicklung zu Unisex, zur Nivellierung der geschlechtlichen Markierung unaufhaltsam."