Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.03.2021 - Kunst

In der SZ meldet Alexander Menden, dass das Museum Kunstpalast eine Serie der Malerin Sabrina Fritsch angekauft hat. Georg Imdahl gratuliert dem Künstler Heinz Mack zum Neunzigsten.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.03.2021 - Kunst

In der taz stellt Eva-Christina Meier das feministische chilenische Kollektiv Lastesis vor, das mit seiner - bald grenzüberschreitenden - Aktion "Ein Vergewaltiger auf deinem Weg" Tausende Frauen in Lateinamerika mobilisierte, gegen die Gewalt gegen Frauen auf die Straße zu gehen: "'Patriarchat und Kapital - dieses Bündnis ist fatal'. So hatte Lastesis, inspiriert von der feministischen Theoretikerin Silvia Frederici, ein frühes Theaterstück benannt. In einem Lied darin hieß es: 'Der Klassenkampf ist nicht zu verstehen, solange wir nicht sehen, dass die Arbeiterklasse aus zwei Klassen besteht: die Männer privilegiert, die Frauen dominiert.' Dieser Aspekt wird auch in der aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzung in Chile von einigen aus der Linken immer noch gerne ignoriert und der Feminismus als ein zweitrangiges, weniger dringliches Anliegen angesehen, so die Erfahrungen der Künstlerinnen. Auf die männliche Borniertheit reagieren sie genervt. 'Sie haben noch nicht begriffen, dass wir uns nicht noch einmal am Katzentisch abspeisen lassen, dass wir Teil der Diskussion sind (…)'."

"Wir wollen für mehr Sichtbarkeit von Künstlerinnen aufstehen", erklärt im Interview mit der taz Rachel Kohn, Vorsitzende des Frauenmuseums Berlin, anlässlich der Protestaktion am Montag ab 14 Uhr vor der Berliner Gemäldegalerie: "Im Hamburger Bahnhof gingen laut einer Studie von Gantner und Horst zwischen 2010 und 2020 22 Prozent der Einzelausstellungen an Künstlerinnen. In der Neuen Nationalgalerie waren es von 2000 bis 2015 nur 6,12 Prozent. Die Alte Nationalgalerie hat noch nie eine Einzelausstellung zu einer Künstlerin gezeigt, weil sie einfach auch zu wenig Werke von Künstlerinnen gesammelt hat und es leider immer noch so ist, dass die Ankaufsetats hauptsächlich für bekannte Männer ausgegeben werden, statt einmal anzufangen, auch Künstlerinnen zu sammeln, um überhaupt mal ein Œuvre zeigen zu können."

Max Hollein, Direktor des Metropolitan Museums in New York, erzählt im Interview mit der FAZ, wie sich die Pandemie auf Museum und Mitarbeiter auswirkte. Dass das Metropolitan vergleichsweise gut durch die Krise kommt, liegt auch an den ausgebauten Digitalangeboten fürs Publikum: "Während das digitale Angebot früher primär an die jüngere Generation gebunden war, sind bei uns plötzlich fünfundachtzigjährige Trustees auf Zoom und engagieren sich im Netz. Auf der anderen Seite ist unser Publikum seit der Wiederöffnung im August letzten Jahres ein sehr lokales geworden, es sind zu neunzig Prozent New Yorker - zuvor waren unter unseren 7,5 Millionen Besuchern rund ein Drittel aus der Stadt, ein weiteres Drittel aus den Vereinigten Staaten und der Rest aus der gesamten Welt. Wir aber müssen und wollen international eine Institution sein, die von überall her erreichbar ist und die auch in internationalen Kontexten vernetzt ist."

Weitere Artikel: In der SZ schreibt Peter Richter über die Illustrations-Zyklen zu Dante der Künstler Ebba Holm und Klaus Wrage, die das Berliner Kupferstichkabinett erworben hat.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.03.2021 - Kunst

David Ostrowski "So kalt kann es nicht sein", Installationsansicht Sprüth Magers Berlin, 2021. Foto: Ingo Kniest / Courtesy David Ostrowski und Sprüth Magers


Im Interview mit Monopol spricht der Künstler David Ostrowski über seine neuen Arbeiten, die derzeit in der Galerie Sprüth Magers betrachtet werden können, und die Rolle, die die Farbe "neutralgrau" dabei spielt: "Grau erschien mir als logische Konsequenz, den malerischen Nullpunkt weiter auszuloten. Das fand ich aber erst mit der Zeit heraus. Zunächst malte ich ein paar kleinere Formate grauer Bilder mit größeren Entstehungsabständen. Es fiel mir schwer, einen Zugang zu den Arbeiten zu finden - so als würde mir die Türe vor der Nase zugeschlagen. Grau ist ein Farbton, der aus sich heraus keine Tiefe erzeugt. Er bedeckt, ist geschlossene Fläche. Wenn man die grauen Bilder zum ersten Mal sieht, wirken sie monochrom, das Bild kommt von hinten, es schleicht sich langsam an. Für mich lag der Reiz im Herauskitzeln, was noch geht."

Weiteres: In der taz stellt Sabine Weier ein ein internationales kunsthistorisches Projekt vor, dass den Zusammenhang von Expressionismus und Kolonialismus untersucht. Daran beteiligt ist auch das Brücke-Museum in Berlin. Direktorin Lisa Marei Schmidt will ihr "Museum dekolonisieren. Diskussionen im Team und mit der Öffentlichkeit, sollen zu diskriminierungskritischen Perspektiven auf bisherige kuratorische Praktiken, Ausstellungstexte, die Onlinesammlung und Formen der Kollaboration beitragen, heißt es im Projektexposé. Der Senat hat die Finanzierung schon zugesagt." Bei Hyperallergic untersucht Johanna Sluiter die verführerische Misogynie Man Rays anlässlich einer Ausstellung im Pariser Musee du Luxembourg.
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Stichwörter: Ostrowski, David

Efeu - Die Kulturrundschau vom 04.03.2021 - Kunst

Für die Daten dieser Bilder von Beeple wurden bei Christie's schon dreieinhalb Millionen Dollar geboten (die Auktion läuft noch bis 11. März) 


Es ist einfach fantastisch, wie es manchen Leuten immer wieder gelingt, reichen Menschen, die nicht wissen, wohin mit ihrem Geld, selbiges abzuknöpfen. Das Internet bietet da ganz neue Möglichkeiten. Man kann jetzt nämlich statt Kunst Daten kaufen, erzählt Kolja Reichert in der SZ. "Die Technologie, die es möglich macht, heißt NFT, Non-Fungible Token, etwa: nicht austauschbare Zeichen. Bitcoin und andere Kryptowährungen basieren auf Token, die so austauschbar sind wie Bargeld. NFTs basieren auf Token, die so einzigartig sind wie ein Pass. Oder ein Kunstwerk. Obwohl sie Daten sind, kann man NFTs nicht kopieren. Dafür sorgt der nicht manipulierbare Code der Blockchain, in dem jedes Element mit allen anderen zusammenhängt. NFTs sind also digitale Eigentumsnachweise, die von keiner zentralen Stelle beglaubigt werden müssen. Ihren Besitzern steht es offen, ob sie sich hinter der Zahlenkette ihrer digitalen Geldbörse verstecken oder sich ihrer Verkäufe öffentlich brüsten. Die meisten entscheiden sich für Letzteres." Aber klar.

In der Zeit geht Hanno Rauterberg dem Phänomen NFT anlässlich einer Versteigerung bei Christie's nach. Das ganze erinnert ihn an die Zeit als man Kunst aus den Kirchen in die neuen Museen holte. Das veränderte die Kunst, Gott blieb zurück, die ästhetische Bedeutung trat in den Vordergrund: "Begreift man die Blockchain als ein Museum unserer Gegenwart, kehrt sich der Vorgang um: Die Bilder, die im Internet vor allem als Symbole fungierten, gewinnen hier, in der digitalen Sonderzone, eine Eigentlichkeit und Aura, die sie auf einem Instagram-Account nicht besitzen. Diese Eigentlichkeit liebäugelt mit der Idee des Ewigen, und diese Idee ist es wohl, die manche Menschen dazu bewegt, für ein virtuelles Werk sehr reale Dollarmillionen zu bezahlen. Mit ihrem Geld partizipieren sie an der verheißenen Ewigkeit, das ist der eigentliche Clou der neuen Technik. Als Käufer werden sie ebenso in der Blockchain eingeschrieben wie der Künstler und erscheinen damit wie Mitschöpfer, auf immer gebunden, an die Chain gekettet, könnte man sagen."

Um das Klima zu schonen überlegt Christoph Thun-Hohenstein, Direktor des Wiener Museums für angewandte Kunst, weniger Originale zu zeigen, erzählt er im Interview mit dem Standard: "Ich habe nichts gegen Blockbuster-Ausstellungen, aber sehr wohl etwas gegen ein System, in dem einige Objektstars dauernd in der Welt mit teuren Kurierbegleitungen herumreisen. In einer digitalisierten Welt muss man sich fragen, ob man bei jeder Retrospektive unbedingt die Originale aus zwanzig verschiedenen Ecken der Welt zeigen muss. Reproduktionen sind heute von einer sensationellen Qualität. Das bestimmende Thema unserer Zeit ist die von mir so genannte 'Klimamoderne', daran müssen wir uns auch im Museumsbereich orientieren."

Weitere Artikel: Susanna Koeberle stellt in der NZZ die Künstlerin Monster Chetwynd vor. Besprochen werden die Berliner Plakataktion "Miss You" der Ostkreuz-Fotografen (taz, FAZ), eine Beuys-Ausstellung im Wiener Belvedere (Standard) und Okwui Enwezors letzte Ausstellung "Grief and Grievance: Art and Mourning in America" mit ausschließlich schwarzer Kunst im New Museum in New York (FAZ)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.03.2021 - Kunst

Für ihr Werk "Pasja" musste Dorota Nieznalska zahllose Blasphemie-Prozesse über sich ergehen lassen. Bild: Galeria Wyspa, Gdańsk

Seit den neunziger Jahren muss sich die Kunst in Polen gegen katholische und nationalkonservative Hardliner behaupten, schreibt Sabine Weier in der taz und erinnert an die Anfeindungen und Prozesse, die Katarzyna Kozyra, Zofia Kulik oder Dorota Nieznalska über sich ergehen lassen mussten. Doch seit feministische Künstlerinnen den Schulterschuss mit der pro-Choice-Bewegung geübt haben, werde der Kampf auf der Straße und im Museum härter: "Die Bewegung fordert längst mehr als das Recht auf Abtreibung: die klare Trennung von Staat und Kirche, mehr Gelder für das Gesundheitswesen, mehr LGBTQIA+-Rechte. Dafür setzen sich die Aktivist*innen auf den Straßen der Polizeigewalt und der Bedrohung durch militante Gruppen aus. Der Körper als Schlachtfeld ist unheimlich real geworden. Das zeigen auch Fotografien der Proteste, die das von Künstler*innen ins Leben gerufene Projekt 'Archive of Public Protests' (APP) auf einer eigenen Webseite versammelt. Für Natalia Sielewicz ist das eine der wichtigsten Initiativen: 'Diese Fotos zeigen reale Menschen in realen Situationen und bringen uns zurück zum Körper, der da draußen marschiert, weint, lacht, singt und schreit.'"

Weiteres: In Monopol blickt Victor Sattler eher unfroh auf die neue Bedeutung von Kunst, die im Gefängnis oder hinter Gittern entsteht, das Maxim Gorki Theater etwa zeigt Arbeiten der kurdischen Künstlerin Zehra Dogan, das New Yorer Moma PS1 die Schau "Marking Time". Andreas Förster berichtet in der FR, dass sich mehrere kleine Museen an der Nordsee zusammengetan haben, um die Provenienz von Objekten zu untersuchen, die bisher harmlos als "Seemannsmitbringsel" firmierten. Peter Kropmanns erinnert in der FAZ an den vor 150 geborenen Maler und Porträtisten Leo von König. Philipp Meiser besucht für die NZZ eine Ausstellung der Künstlerin Zilla Leutenegger in der neuen Galerie Peter Kilchmann in Zürich.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.03.2021 - Kunst

Vanessa Baird: Rubislaw Girl, 2020. Bild: Drawing Room

Einen Witz, der ans Boshafte grenzt, erkennt Guardian-Kritiker Adrian Searle in den Bildern der norwegischen Künstlerin Vanessa Baird, deren erste Schau in Britannien heute im Drawing Room online eröffnet: "Bairds Kunst ist voll von urtümlichen Szenen und Obszönitäten, üblen Gerüchen und ekligen Momente. Was auch immer verdrängt wird, es sickert heraus: Leute übergeben sich beim Abendessen, Baird zeigt ihren Arsch und Mama bekommt einen Schoß voll Exkremente. Und da ist die Künstlerin, die mit Wahrnsinn in den Augen über die ausgemergelte Mutter zu ihren Füßen wacht. 'I Need a Doctor' schreit die Inschrift der Zeichnung. So unzensiert wie produktiv, ist Bairds Kunst inkontinent, sowohl psychologisch als auch physisch. Sie schlug einmal ein Buch mit dem Titel 'Thirty Shades of Brown' vor. Das erinnert mich an die Bemerkung der Malerin Marlene Dumas: 'Ich male, weil ich eine schmutzige Frau bin.'"

Weiteres: In Artnews stellt Alex Greenberger die berühmtesten Kunstwerke zusammen, denen der Ruch geraubter Kunst anhängt, von der Nofrete über die Benin-Bronzen, den Parthenon Fries bis zur Quadriga von San Marco. Andreas Platthaus wirft für die FAZ einen Blick in die Online-Schau des Kurpfälzischen Museum Heidelberg mit Zeichnungen von Friedrich Dürrenmatt.
Stichwörter: Baird, Vanessa

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.03.2021 - Kunst

Gilbert & George: Priority Seat, 2020. Bild: White Cube

Mit dem Konservatismus von Gilbert and George oder ihrer Vorliebe für viktorianische Kolonialistenstatuen wird Guardian-Kritiker Jonathan Jones nicht warm, aber wenn er ihre neueste Serie "New Normal Pictures" im White Cube sieht, dann ist er wieder hin und weg von den Fotomontagen dieses Künstler-Duos: "Sie haben diese komischen, aber doch eindringlichen Fotomontagen in ihrem Studio während des Lockdowns im letzten Jahr geschaffen, und dabei Fotos verwendet, die sie vor der Pandemie aufgenommen hatten. Sie sehen benommen, geplättet, zerschlagen und tragikomisch in ihrem Leiden aus, über die Straßen Londons verteilt wie menschlicher Müll."

Weiteres: In der NZZ hält Philipp Meier Grundsätzliches zur Freiheit erotischer Kunst fest.
Stichwörter: Gilbert & George, Lockdown

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.02.2021 - Kunst

Überwältigt kommt Clementine Kügler aus dem neu eröffneten Museum für zeitgenössische Kunst im spanischen Cáceres, einem Lebenstraum der Madrider Galeristin und Kunstsammlerin Helga de Alvear, entworfen von dem Architekturbüro Emilio Tunon. Alvear hat der Stadt dreitausend Werke aus ihrer Sammlung überlassen: "Unter den Deutschen sind Katharina Grosse und Thomas Hirschhorn mit Großformaten vertreten. Auch wenn der Schwerpunkt zweifellos zeitgenössisch ist, geht die Schau zurück bis zu Picasso, Kandinsky und sogar Francisco de Goya. Ein Saal ist seinem Grafikzyklus der 'Caprichos' gewidmet. Eine erste Auflage, etwas ganz Besonderes, das sie nur erwerben konnte, weil der spanische Staat ein Exportverbot verhängt hat und sie die Rarität nun in Cáceres zeigt, erklärt de Alvear. Ihr Kurator ergänzt fast entschuldigend den didaktischen Hintergrund. Kaum ein Zeitgenosse, der sich nicht auf Goya berufe. Das müssen sich junge Menschen angucken können. So werden die gesellschaftskritischen 'Caprichos' in Kontext gesetzt mit Werken von Arnulf Rainer und Marcel Dzama."

Elfriede Lohse-Wächtler: Selbstportrait (um 1930). Öl auf Karton. Quelle: Wikipedia

Mehr als 200 Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken der Künstlerin Elfriede Lohse-Wächtler hat die Heidelberger Sammlung Prinzhorn aus dem Nachlass angekauft. Im Dlf-Kultur-Gespräch mit Timo Grampes würdigt Thomas Röske, Leiter der Sammlung, das Werk der Malerin, die erst spät in die Psychiatrie kam: "'Sie war sehr stark an menschlicher Physiognomie interessiert', sagt Röske. 'Sie hat sich sehr stark in Menschen eingefühlt und sehr beeindruckende Porträts geschaffen.' In der Psychiatrie setzt sie das fort. 'Das Besondere ist, dass diese Porträts immer etwas Unvollendetes haben, immer etwas Angefangenes', sagt der Kunsthistoriker. 'Sie vertieft sich sehr stark in genaue Studien der Gesichter, zeichnet akribisch Falten nach und das eingeschriebene Leid dieser Gesichter.'"

Weiteres: In der FAZ ist sich Ursula Scheer nicht ganz sicher, was sie von dem neuen Werk des britischen Künstlers Sacha Jafri - dem größten Leinwandbild der Welt, halten soll: Immerhin kommt der Erlös einem guten Zweck zugute, meint sie. Im Tagesspiegel vergisst Elke Linda Buchholz für einen Moment den Alltag beim Atelierbesuch der Malerin Ulrike Seyboth im Prenzlauer Berg. In der Berliner Zeitung entdeckt Christian Seidl einen versunkenes Stück Montmartre in einem wiederentdeckten Gemälde von Vincent van Gogh.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.02.2021 - Kunst

Angela Maderna unterhält sich für Domus mit dem Fotografen Thomas Demand über dessen Ausstellung "House of Cards", die sich mit der Idee des Modells beschäftigt. "Ich beschäftige mich schon sehr lange mit diesem Thema. Es gibt verschiedene Kategorien von Modellen wie Kindermodelle, Architektenmodelle, die Modelle des Souvenirshops, die man kaufen kann usw. ... Man findet überall Modelle, also habe ich erkannt, dass Modelle eigentlich eine Kulturtechnik sind und der Grund, warum sie etwas gemeinsam haben, ist, dass man einen Filter haben muss, weil die Realität so komplex ist. Das Gedächtnis ist ein guter Filter, weil es die wichtigsten Dinge behält, Modelle sind Filter, weil sie die Informationen auf den Brennpunkt reduzieren. Sonst wäre die Welt zu komplex. Heute haben wir nur noch Spezialisten, also sind die Modelle eine Art von Kommunikation auf einer Metaebene zwischen den verschiedenen Teilen der Gesellschaft. Unsere Art, die Welt zu verstehen, basiert zu einem großen Teil auf Modellen. Und deshalb glaube ich, dass in der Modellierung viel mehr steckt, als die Leute denken."

Weiteres: Paul Ingendaay trifft für die FAZ das Berliner Künstlerpaar Ulrike Seyboth und Ingo Fröhlich in der Kreuzberger Galerie Guardini und unterhält sich mit ihnen über ihr Buch "Torstraße 111" im besonderen und die Situation der Künstler im allgemeinen. Besprochen werden Zeichnungen von Peter Eingartner für die - vielleicht nie zustande kommende - Ausstellung "Autos im Stadtbild als Stillleben" (SZ).
Stichwörter: Demand, Thomas

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.02.2021 - Kunst

In diesem Jahr feiern wir den hundertsten Geburtstag von Joseph Beuys. Von seinem Versprechen einer Demokratisierung der Kunst ist nichts geblieben, bedauert Christian Saehrendt in der NZZ, "der Kunstbetrieb der Gegenwart ist elitär geblieben, obwohl er sich links und inklusiv gibt". Und doch lassen sich Beuys' politische Visionen heute leichter würdigen als seine Kunst, die von der Interaktion lebte, meint der Kritiker, dem die Beuys-Werke ohne den Künstler oft "trist und bedeutungslos" erscheinen: "grau-gelbe Fettklumpen und gammlige Würste in Vitrinen, Stapel von undefinierbarem Metall- und Elektroschrott, auf dem Boden verstreute Basaltsteinsäulen, leere Kisten und Köttel aus Tonerde. Das einzig wirklich lebendige Erbe ist der Baumbestand des sozio-ökologischen Mammutprojektes '7.000 Eichen', mit dem der Künstler die Documenta-Stadt Kassel beglückte. ... Muss man wirklich jedes seiner Objekte erhalten? Wäre es nicht wichtiger (und im Sinne des Künstlers), stattdessen Bäume zu pflanzen, wieder und wieder? Denn: Fettecken werden ranzig und Filzjacken vermotten - aber das Rauschen der Blätter ist für die Ewigkeit."

Weiteres: In der FAZ meldet Ursula Scheer, dass die Sammlung Prinzhorn den Nachlass der Künstlerin Elfriede Lohse-Wächtler erwirbt, die 1940 von den Nationalsozialisten in der Psychiatrie vergast wurde. In der SZ ist Kito Nedo empört, dass das Kunsthaus Zürich die bedeutende Kunstsammlung des Waffenhändler Emil Georg Bührle zeigen will. Besprochen wird die Ausstellung "A Fire in My Belly" der Sammlerin Julia Stoschek in Berlin (Tsp.)