"Glitchcore" nennt sich das neueste heiße Ding aus der weiten Welt des Internet-Undergrounds und der Microgenres: Ständig auf die 12, Spaß ohne Ende, kurze Aufmerksamkeitsspanne und eine nostalgische Verklärung der Sounds der 00er-Jahre - so in etwa lauten die Koordinaten dieser Netzkultur, deren Protagonisten im Grunde noch nicht mal Digital natives oder noch Millennials, sondern bereits eine spätere Generation darstellen: Leute, die nicht nur mit dem Web, sondern mit dessen audiovisuellen Overkill aufgewachsen sind. Kieran Press-Reynolds hat sich in dieser Welt, die erst seit ca. Ende 2019 so richtig Wellen schlägt, auf TikTok entstanden ist und ihre Heimat auf Soundcloud gefunden hat, umgesehen. Eine gemeinsame ästhetische Eigenart hat er nicht ausmachen können, vielmehr "hat es den Anschein, dass die hyperintensive, sich fortlaufend verschiebende Natur dieser Musik in die künstlerische Praxis selbst einzuschreiben scheint - die Obsession, mit der diese Künstler jegliche Komponente ihrer Musik zur Perfektion treiben, ist bewundernswert. ... Ohne TikTok hätte es diese Szene wohl nicht gegeben. Aber es ist kein Zufall, dass gerade ein Stück wie 'Pressure' auf der App derart viral einschlug. In den letzten Jahren hat sich TikTok zu einem Labor für bizarre Sounds gemausert. 'Pressure' war beinahe schon auf TikTok-Appeal zugeschnitten. Von den gefakten Orgasmustrillern in den Stimmen bis zum nervigen Streifenhörnchen-Gequietsche funktioniert alles wie ein Mem: eine instant einschlagende, ansteckende, aufmerksamkeitsheischende Rakete. Und doch - und genau das ist der Punkt - ist das nicht einfach nur ein Gag-Song, der einen mit dem Arsch voran ins Gesicht springt. Einige Elemente von 'Pressure' mögen bekloppt oder quietschig wirken, aber im Ganzen betrachtet ist das Stück ziemlich mitreißend - eine Extradosis Zucker, voller kräuselnder Melodien und kurzgeschlossener Schmachtpassagen. ... Diesen Künstlern ist es gleich, ob ihre Musik dümmlich klingt oder das Thema kitschig tönt, solange die Stücke so richtig hart knallen. Das ist auch der Grund dafür, warum sie sehr aufgeschlossen dafür sind, mit Nightcore-Gesang, Glitch-Effekten und desorientierenden Genre-Zusammenstößen zu experimentieren." Wir hören rein:
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