Magazinrundschau - Archiv

critic.de

2 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 15.10.2019 - critic.de

Die schöne Textreihe bei critic.de über die Filme von Eckhart Schmidt erfährt mit Hans Schifferles Essay über die frühen, in den 60ern entstandenen Werke des Münchner Regisseurs einen Höhepunkt: Mit "Blow Up an der Isar" ist der Text und das Programm der Münchner Gruppe, die sich seinerzeit sowohl gegen "Papas Kino", als auch gegen die Oberhausener positionierte, gut überschrieben: Pop, Leben, Alltag sind die Eckpfeiler dieses Kinos gewesen: "Thome, Schmidt, Klaus Lemke, Max Zihlmann, Marran Gosov, May Spils, Werner Enke, Veith von Fürstenberg. Die neue Münchner Gruppe der späten 1960er Jahre. Musik hören, ins Kino gehen, das Leben leben. Dass das große Glück, das große Kino gleich um die Ecke lauern konnte, das hatten sie von der Nouvelle Vague. Die Münchner Cafés, die Trottoirs vor den Kinos mit den Schaukästen wurden in ihren Filmen selbst Kino-Schauplätze. ... Filmskizzen, die andeuten, was kommen wird. Filme, wie geschrieben an einem Nachmittag im Café oder nachts am Küchentisch, während die Freundin schläft. Filme wie Tagebuchnotizen, die heute Momentaufnahmen sind der 1960er Jahre. Zwei Kurzfilme hat Schmidt in den 60ern gedreht, 'Nachmittag' und 'Die Flucht'. Unmittelbarkeit zeichnet diese Filme aus, und die Kunst, Bedeutsames im Beiläufigen zu zeigen. Auf die Ästhetik des Kurzfilms wird Schmidt vor allem in seiner dokumentarischen und journalistischen Arbeit immer wieder zurückgreifen. ... Von dem eigenartigen Wechselspiel zwischen Aufbruchsstimmung der muffigen, immer noch gegenwärtigen 50er-Jahre-Atmosphäre, zwischen Provinzialismus und Jet Set, zwischen Emanzipation und Sexismus handeln Schmidts Filme der späten 1960er Jahre. Schmidt hat ein Gespür für das Feeling einer Generation, ein Gespür für den Zeitgeist, lange bevor dieser Begriff Mode wurde."

Magazinrundschau vom 20.08.2019 - critic.de

Das Onlinefilmmagazin critic.de beschäftigt sich gerade in einer Rückschau mit dem Kino Eckhart Schmidts, der aus der Münchner Gruppe (zu der auch Rudolf Thome, Max Zihlmann und Klaus Lemke zählten) heraus ein sehr eigenständiges Werk entwickelte. Im Zuge dessen wurde auch ein bereits 1997 von Ulrich Mannes und Hans Schifferle geführtes, episches Gespräch mit Schmidt zurück ans Licht geholt, das sich immer noch sehr aufregend liest und mit Anekdoten reich gespickt ist: Als kinobegeisterter Jugendlicher in Ulm orientierte sich Schmidt an den Kritiken des katholischen Filmdienst ("Die Filme, die man sich dann immer angeschaut hat, waren die, die mit zwei E bewertet wurden, das heißt 'Für Erwachsene mit erheblichen Einschränkungen' - da gab's also nackte Weiber"), später kamen Jazz und Existenzialismus hinzu, dann schrieb er selbst Filmkritiken für BR und SZ, tagesaktuelle TV-Beiträge fürs Fernsehen - seine eigentliche Filmhochschule, was das Handwerk betrifft -, schließlich eine langjährige TV-Zusammenarbeit mit Joachim "Blacky" Fuchsberger - und nicht zu vergessen: die Auseinandersetzungen in der Münchner Filmbohème der Sechziger: "Filmkritik war absolutes Feindbild. Wobei das Interessante war, dass wir Abende lang zusammen saßen: Enno Patalas, Hans-Dieter Roos, Frieda Grafe, Theodor Kotulla … Wir haben uns nächtelang gestritten, aber man hat sich auseinandergesetzt und ist zusammengeblieben. Dann hat Hans-Dieter Roos das Anti-Filmkritik-Organ Film gegründet, das von Leo Kirch finanziert wurde. Und darin haben wir unseren Stiefel gemacht. Die Filmkritik hat die Filme, die wir geliebt haben, mit grotesken Wertungen belegt, Godard einen Faschisten genannt, was für uns völlig absurd war … Enno Patalas hatte ja die 'Geschichte des Films' geschrieben. Ich hab ihm damals gesagt: 'In deinem Buch sind von oben bis unten gepflasterte Irrtümer. Du wirst dich später schämen, dass du es geschrieben hast.' Eine Sache, die noch wichtig für mein Filmverständnis ist: Damals hatte Leo Kirch viele Filmpakete gekauft und sämtliche Kritiker Münchens engagiert, um diese Filme zu sichten. Er wollte eine Inhaltsangabe und eine Bewertung, denn es gab nichts über die Filme, keine Besetzungsliste, kein Pressematerial. So sind wir monatelang gesessen und haben uns am Tag zehn Filme reingezogen. Da war alles dabei, sämtliche Western, sämtliche Film Noir, alle Gene-Kelly-Filme, alle von Raoul Walsh und Budd Boetticher."