Magazinrundschau - Archiv

Deník Referendum

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Magazinrundschau vom 23.02.2021 - Deník Referendum

Viele Nachrufe gibt es in den tschechischen Medien auf den letzte Woche verstorbenen christlichen Philosophen Jan Sokol, der mit seiner vielfältigen und integren Persönlichkeit offenbar viele Menschen beeindruckt und beeinflusst hat. Martin Beck Matuštík würdigt den 1936 geborenen "Goldschmied und Uhrmacher, Mathematiker und Programmierer, Philosophen und Pädagogen, Übersetzer, Unterzeichner der Charta 77, ehemaligen Abgeordneten und Schulminister, Präsidentschaftskandidaten und Gründungsdekan der Fakultät der Humanwissenschaften an der Prager Karls-Universität" auch als unermüdlichen Wikipediabeiträger und beliebten Hochschullehrer. "Er eröffnete gerne eine Debatte und wartete dann auf den Konsens. In der Politik wie an der Universität hielt Sokol Opposition für einen wichtigen Schutz vor autoritären Tendenzen selbst angesichts der besten Führungspersönlichkeiten. 'Eine vernünftige Regierung muss sich ihre Kritiker kultivieren. Ohne sie lassen sich große Fehler und Dummheiten unmöglich vermeiden', meinte er. Nach dem gleichen Prinzip zeigte er sich kritisch gegenüber autoritären Strukturen auch anderer Institutionen und Regierungen, in seiner Heimat wie in den benachbarten Ländern, so verteidigte er zum Beispiel Soros' Zentraleuropäische Universität in Prag und dann in Budapest. (…) Durch seine Treue zum Gedanken des Ideenpluralismus darüber, wie man innerhalb starker demokratischer Institutionen richtig lebt, war Sokol ein Mensch, der die Grenzen unseres Denkens verschob."
Stichwörter: Sokol, Jan

Magazinrundschau vom 01.12.2020 - Deník Referendum

Von "einer der größten ökologischen Katastrophen in der Geschichte der Tschechischen Republik" spricht das unabhängige Onlineportal Deník Referendum in Bezug auf die Vergiftung des Flusses Bečva in Mähren, die Ende September auf einer Länge von etwa vierzig Kilometern quasi das Flussleben auslöschte. Seit der Verseuchung "sind zwei Monate vergangen, und die Polizei hat immer noch keinen Täter ausgemacht. Schon vor einem Monat wies Deník Referendum nach, warum es praktisch ausgeschlossen sei, dass die Quelle der Vergiftung ein sechzehn Kilometer langer Kanal ist, der vom Industrieareal des damaligen Großbetriebs Tesla in Rožnov pod Radhoštěm stamme. Auf den wies nämlich die Polizei bereits am 26. September, also sechs Tage nach dem Unfall, hin. "Aus unseren Nachforschungen hat sich im Gegenteil ergeben, dass der wahrscheinlichste Verursacher die Chemiefabrik DEZA aus der Agrofert-Holding von Premier Andrej Babiš ist." Sprecher der Fabrik hatten wiederholt jeglichen Unfall geleugnet. Deník Referendum hat nun allerdings die Aussagen von Mitarbeitern und sogar dem Angestellten, der das Unglück verursachte, dass sehr wohl kurz vor der Verseuchung des Flusses ein Unfall bei DEZA passiert ist, außerdem von Chemieexperten feststellen lassen, dass es sich bei dem hauptsächlichen Gift nicht wie offiziell behauptet um Zyanid handelt, sondern um Phenol. In einem sehr ausführlichen Investigativbericht beweist das Portal, dass "Agrofert nicht die Wahrheit sagt". Verdächtig sei auch, dass "schon einen Tag nach dem Unfall die Tschechische Umweltinspektion darüber Bescheid wusste, dass DEZA keine Schuld habe, obwohl es doch noch ganze vier Tage dauerte, bis Zyanid als Ursache der Vergiftung gemeldet wurde, und weitere zwei Tage, bis man auf den Rožnover Kanal verwies." Auf diese Weise habe man schnell von DEZA ablenken wollen, was es Agrofert offenbar erlaubte, einen riesigen Umweltskandal zu vertuschen.
Stichwörter: Tesla